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Und der Weihnachtsmann bringt die Geschenke

Dem Journalismus geht es nicht gut. Er wird von vielem bedroht. Leider auch von Verlagen, die nicht genau zwischen werblichen Botschaften und unabhängiger Berichterstattung unterscheiden wollen.

Von Clemens Gerlach

Witze sind wichtig. Denn mit Lachen wird das Leben leichter. Vielleicht wird es sogar erst durchs Lachen zu einem solchen. Wer weiß. Über Journalisten gibt es einige Witze. Hier ist einer: „Wie zählen Journalisten? Eins, zwei, immer mehr.“ Ein anderer Witz geht so: „Was machen Journalisten? Sie füllen den leeren Platz zwischen den Anzeigen.“

Mittlerweile ist das kein Witz, nicht mal mehr eine launige Bemerkung. Denn durch den Wandel der Medienwelt, diesen fortwährenden Prozess des Umschichtens, Neusortierens und Weglegens, hat sich das Verhältnis zwischen Werk und Werbung fundamental verändert. Die Verlage, auf der Suche nach neuen Erlösquellen, weil die althergebrachten futsch sind, lassen sich immer wieder etwas einfallen. Nicht immer ist das hasenrein.

Der Gesetzgeber hat Schleichwerbung zum Schutze des Konsumenten grundsätzlich verboten, denn Mann und Frau und Kind sollen nicht irregeführt werden. Zum Verrücktwerden sind mitunter die Versuche, das Verbotene doch wieder möglich zu machen, indem es umgangen oder getarnt wird. „Greenwashing“ nennt sich dieses Verfahren, weil dem Kunden vorgegaukelt wird, dass das real existierende Leberwurstgrau eigentlich farbig schillernd ist.

Die Verlage sind zumindest in dieser Beziehung sehr kreativ. Sie setzen Wäsche um Wäsche auf. Ohne Unterlass rotieren die Trommeln, der Schleudergang ist Pflicht. Selbstverständlich – so soll einem Glauben gemacht werden – alles zum Wohle des Konsumenten, Käufers und Klienten. In der offenbar auf internationale Märkte schielenden Worthülsenfabrik machen sie Überstunden: Corporate Publishing, Native Advertising, Content Marketing, Influencer Dingsbums oder Communications Tüdelüt. Wer ohne Schleudertrauma rauskommt, kann sich glücklich schätzen.

Allzu billige Taschenspielertricks

Natürlich müssen Verlage Geld verdienen, natürlich sollen sie auf die schwierige Marktlage reagieren dürfen. Nur warum haben sie so wenig Respekt vor ihrem Publikum, dass sie es für blöd verkaufen? Glauben Verlagsleute und Chefredaktionen wirklich, mit diesen allzu billigen Taschenspielertricks auf Dauer durchzukommen?

Einer der ganz Großen dieser Be- und Vernebelungsbranche betonte unlängst, es gäbe innerhalb seines Hauses keine „inhaltliche Berührung“ zwischen PR-Konglomerat und Journalismus-Einheit. Na klar, und der Weihnachtsmann bringt die Geschenke.

Dieser Artikel stammt aus der Dezember-Ausgabe des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

25.12.2016






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