Kolumne „Hardt und herzlich“
Randale-Anhänger von Dynamo Dresden in Karlsruhe (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

Diese Hassbrüder bringen einen zum Verzweifeln

Fußball kann so schön sein. Ergreifend und bewegend. Doch leider gibt es immer wieder ignorante Idioten, die es schaffen, die Anhänger dieses Sports generell zu diskreditieren.

Von Andreas Hardt

Joachim Król kommt rum. Das kann man nicht anders sagen. Er ist in Dortmund, klar, in Wien und Budapest, dann in Herne, Liverpool, Los Angeles, New York. Der Schauspieler ist auf der Suche nach der Geschichte und Magie des berühmtesten Fußball-Fanliedes dieser Welt: „You‘ll never walk alone“. Davon erzählt ein Dokumentarfilm, der Ende Mai in die Kinos kam.

Gerade erst hat der Song wieder eine berührende Berühmtheit erlangt. Der inbrünstige Gesang im Dortmunder Stadion am Tag nach dem Mordanschlag auf das Borussia-Team vor dem Champions-League-Spiel gegen AS Monaco entfaltete eine einzigartige emotionale Stärke. Es geht immer weiter, und ihr seid nie allein – natürlich ist diese Botschaft wie gemacht für Fußballteams und ihre treuen Fans.

Wenn beim FC St. Pauli die von eigenen Anhängern ausgepfiffenen Spieler des Karlsruher SC mit dem Song moralisch unterstützt werden oder der langjährige Stadionsprecher so verabschiedet wird – „Walk on“ – , dann sind das Gänsehaut-Momente. Hier auf dem Kiez wurde das Lied 1991 auch in Deutschland zum Kult, nachdem St.-Pauli-Fans es nach einem Besuch bei Celtic Glasgow mitbrachten.

Seit 1963 spielen sie das schon 1945 komponierte Musical-Lied beim FC Liverpool in der Merseybeat-Version von Gerry and the Pacemakers. Nach der Hillsborough-Katastrophe von 1989 mit 96 Toten wurde es dann endgültig zur einigenden Hymne der Liverpool-Fans. Fußballkultur kann so großartig sein.

Wir aber mussten zum Saisonende einen Dresdner Mob in paramilitärischen Uniformen durch Karlsruhe vandalieren sehen. Auch diese Idioten haben es damit wieder geschafft, Fußball-Anhänger generell zu diskreditieren. Diese Leute haben keine Lieder – sie brüllen Hass. Es ist zum Verzweifeln.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Juni/Juli 2017 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

21.06.2017






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