Linktipp „Crowdspondent“
Crowdspondent-Website (Foto: Screenshot)

Zwei junge Journalistinnen starten durch

Gern und viel wird über die Jugend von heute geschimpft. Was für Zeiten, was für Sitten! Nun gut, zwei junge Kolleginnen aus München sind recherchemäßig so was von konstruktiv.

Von Clemens Gerlach

Die Zahlen sind beunruhigend. Oder begrüßenswert. Je nach Standpunkt ist es unterschiedlich, wie die unlängst veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage bewertet werden, die das britische Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der TUI-Stiftung durchgeführt hat. „Europas Jugend hält nicht viel von Demokratie“, fasste es die Frankfurter Allgemeine Zeitung zusammen.

Insgesamt 6000 junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren waren in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien befragt worden. 52 Prozent halten die Demokratie für die beste Staatsform, in Deutschland waren es 62 Prozent der Befragten. Mit 66 Prozent die größte Zustimmung gab es beim Nachwuchs der „Pleite-Griechen“, wie die Bild-Zeitung die Menschen aus dem südosteuropäischen Land bezeichnet.

Nun könnte man fragen, warum die jungen Leute eine so kritische Haltung zur Demokratie haben. Liegt es an den wirtschaftlichen Bedingungen in den jeweiligen Ländern? Hat es mit Traditionen zu tun? Es bieten sich viele Ansätze an, einer sei hier kurz verfolgt: Fühlen sich die Jungen vielleicht von den Älteren und Alten nicht erst genommen und schlichtweg übergangen? Eine Art Ohnmachtsvotum angesichts einer (gefühlten) Gerontokratie?

Zwei Journalistinnen, beide Ende 20, gehen mit einem per Schwarmfinanzierung gestemmten Projekt namens Crowdspondent Themen an, die junge Menschen wirklich bewegen und nicht solche, von denen die altersreiferen Zeitgenossen dies annehmen.

„Was ist eigentlich los mit dir, Deutschland?“

Die Kernfrage, die sich Lisa Altmeier und Steffi Fetz stellen, lautet: „Was ist eigentlich los mit dir, Deutschland?“. Die User schicken ihnen Anregungen, was dringend geklärt werden sollte. Und so ziehen „Deine persönlichen Reporterinnen“ durch die Republik, in der im September ein neuer Bundestag gewählt wird.

Die Beiträge, die entstehen, sind multimedial, also Texte, Radiostücke und Videos. So haben es die beiden Münchnerinnen auch gehalten, als sie 2013 für drei Monate in Brasilien waren, um zu recherchieren, „wie sich das Land ein Jahr vor der Fußball-WM veränderte“.

Derzeit beackern die beiden keine sportlichen Themen. Kann aber jederzeit wieder losgehen. Einfach mal melden. Ein Höchstalter für die Einreichung gibt es nicht. Da sind die jungen Kolleginnen ganz entspannt. Läuft.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Juni/Juli 2017 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

27.07.2017






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