Kolumne „Hardt und herzlich“
Controller einer Spielekonsole (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

Unsportliche Maus-Akrobaten

Sind eSport-Cracks echte Sportler? Oder eben nicht? Unser Kolumnist hat dazu eine klare Meinung und stellt sich schon einmal auf deutliche Rückmeldungen der Leserschaft ein.

Von Andreas Hardt

Wir haben ja im Dezember wieder unsere Sportler des Jahres gewählt. Kuro Salehi Takhasomi war nicht dabei. Dabei ist der unter seinem Künstlernamen KuroKy ein Weltstar. Wie, nie gehört? Hallo, aufwachen Kollegen! Der Berliner KuroKy ist der mit Gesamteinnahmen von umgerechnet 2,9 Millionen Euro zur Zeit finanziell erfolgreichste – dürfen wir sagen? – Athlet der Welt. Im eSport.
 
Die zockenden Maus-Akrobaten erobern Märkte, bewegen Millionen Fans und Preisgelder. Insgesamt rund 21.000 Zuschauer verfolgten Ende Oktober live in der Hamburger Arena ein Turnier mit Topteams – Verzeihung: Clans – aus aller Welt.

Es war eine perfekt durchinszenierte Show. Millionen weltweit an den Bildschirmen – also beim Stream selbstverständlich. Die Kontrahenten wurden reingerufen wie zu besten Henry-Maske-Wladimir-Klitschko-Zeiten. Wummernde Einmarschmusiken, grandiose Lichtshow. Begeisterte Fans, die bis zu 600 Euro für eine VIP-Karte gezahlt haben, um Leute live ein Computerspiel spielen zu sehen, bei dem sie Fantasymonster mit irgendwelchen Waffen vernichten müssen, um am Ende eine Festung zu erobern. Krass.

Das ist groß inszeniertes Entertainment, das offenbar die Bedürfnisse überwiegend junger Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren befriedigt. Aber ist es Sport? Stundenlange Hand-Augen-Koordination. Schnelles Mausklicken und Tastaturdrücken, konzentrieren und reagieren, Wettkampfcharakter. Das sind tatsächlich Sport-Indizien.

Ich aber werde jetzt provokant und engstirnig: Vielen dieser Computernerds und ihren Fans würde es gut tun, mal richtigen Sport zu treiben. Mit Schwitzen und so. Das ist gesünder, und dann kriegen sie auch eine Freundin. Und KuroKy habe ich nicht gewählt. Hatemails bitte an mich.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Dezember 2017/Januar 2018 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

03.01.2018






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