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Offizielle Fifa-Website der Fußball-WM in Russland (Foto: Screenshot)

Turnier in Russland soll Bundesliga aufpeppen

Die vergangene Bundesliga-Saison war eine erschreckend schwache. Das spielerische Niveau so gering wie die Spannung. Nun hoffen viele, dass die WM in Russland für neuen Schwung sorgen wird. Es dürfte eine Enttäuschung geben.

Von Clemens Gerlach

Jetzt auch noch die WM in Russland. Muss das sein? Geht es nicht mal ohne Fußball? Normalerweise schon, sogar sehr gut. Doch nach dieser Bundesliga-Saison kommt das große Turnier im noch größeren Putin-Reich sehr recht, rein sportlich, versteht sich. Denn die abgelaufene Serie hierzulande war eine bemerkenswert schlimme.

Gefühlt spielte nur eine Mannschaft Fußball (logo, die Bayern), der Rest versuchte sich mehr schlecht als recht daran und packte es nicht trotz allen Bemühens. Es war nicht zum Aushalten. Das dachten sich anscheinend auch viele Fans, die zwar Tickets für die Bundesligaspiele erworben hatten, dann aber doch lieber zuhause blieben. Vermutlich waren es zumeist Dauerkarteninhaber, die sich nicht aufraffen konnten und es dann schlussendlich sein ließen.

Die Zahlen jedenfalls sind bedrohlich (vor allem für die Klubs und die Deutsche Fußball Liga): 91,32 Prozent aller Billets wurden verkauft, genutzt wurden jedoch nur 82,25 Prozent. Da könnte eine wunderbare WM einen Schub geben. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist ja bekanntermaßen eine erstklassige Projektionsfläche für den darbenden Fan.

Eigener Klub hat es nicht gebracht, ist vielleicht sogar abgestiegen? Wie gut, dass es die Löw-Truppe gibt, dieses Kollektiv feinster Kicker, in Russland zudem noch Titelverteidiger. Hinter den Burschen in den auf dem Rücken kaum lesbar gestalteten Trikots („Oaalea? Orahlea? Ach so, Draxler!“) versammelt sich wieder einmal ein Großteil der Fußballnation und zittert, bibbert, daumendrückt. Am Ende dann – hoffentlich – Jubel, Trubel, Erlösung.

Doch, das weiß im Prinzip jeder: Nach dem Rausch kommt der Kater. In diesem Fall mag sich die Bundesliga als kleines süßes Schnurrkätzchen gerieren, damit der Schock nicht zu arg ausfällt. Vermutlich wird es aber nicht langen, Symptome wie Kopfweh oder gar Phantomschmerzen tauchen unweigerlich auf. So gesehen, sind die zum Saisonstart erscheinenden Bundesliga-Sonderhefte dann eher ganz, ganz dicke Nebenwirkungskataster, fatalerweise ohne die notwendigen Warnhinweise („Essen Sie den Beipackzettel und fahren Sie Ihren Arzt zum Apotheker“).

Oder glaubt ernsthaft jemand, dass die supercoolen WM-Stars, die uns mit ihren atemberaubenden Tricks und tollkühnen Auftritten den Sommer versüßten, in der Bundesliga landen werden? Da erwarten uns garantiert wieder die üblichen Verdächtigen. Doch Durchschnittskicker en masse locken nicht ins Stadion, wenn die Tickets wenig günstig und die Anstoßzeiten zuschauerunfreundlich sind. Da muss sich die Bundesliga etwas einfallen lassen, und zwar schnell.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Juni/Juli 2018 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

12.06.2018






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