Kolumne „Hardt und herzlich“
Enttäuschter deutscher Fußballfan bei WM in Russland (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Lebensdeutung dank Fußball

Die Fußball-WM war das Sportereignis des Sommers, vielleicht sogar des Jahres. Was bleibt? Nun ja, eine Erkenntnis. Welche das ist? Bitte lesen Sie selbst!

Von Andreas Hardt

Keine Sorge: Hier folgt kein Wort zur Fußball-WM und den handelnden Personen. Wenn diese Zeilen erscheinen, ist schließlich schon alles gesagt. Mehrmals. Von jedem. Vom AFD-Abgeordneten, dem DFB-Präsidenten, von Kolumnisten, Kommentatoren, „Experten“ und Moderatoren. Genug ist genug. Oder?
 
„Und, wie ist es so ohne WM, jetzt wo Deutschland raus ist?“, fragte eine Redaktionssekretärin am Tag nach dem Vorrunden-Exit der DFB-Auswahl. Wie? Nein, sie haben das Turnier in Russland nicht gestoppt, nur weil der sonstige Halbfinalstammgast aus Deutschland den Abflug gemacht hatte.

Dennoch reduzierten zahlreiche Chefredakteure den Umfang der Sportseiten oder dachten zumindest darüber nach. Manchmal nicht ohne sich zuvor selbst in einem Leitartikel geäußert zu haben.
 
Doch das Turnier ging weiter. Die analytische Nachbereitung des DFB-Desasters rechtfertigte tatsächlich mehr Platz, als es noch gab. Die weiteren Ereignisse vor Ort und ihre Aufbereitung auch. Was für spannende Geschichten, die den Horizont weiteten. Erst die WM hat auch großartige Reportagen ermöglicht, zum Beispiel über die russische Schwulenszene. Die Kollegen leisteten in Russland ganz überwiegend hervorragende Arbeit.
 
Und trotzdem stimmt etwas nicht mit unserem Image. So sagte neulich ein Layouter bei der Gestaltung der verbliebenen WM-Seite: „Das interessiert doch keinen mehr.“ Wie kommt er darauf? Die überragenden TV-Quoten belegen das genaue Gegenteil.

„Fußball ist wie das richtige Leben“, sagte der sehr geschätzte Kollege Rainer Kalb einmal, „mit Fußball kann man die Welt erklären, das Leben verstehen.“ Dafür kann doch nie zu viel Platz sein – wenn wir ihn gut nutzen. So wie bei der WM.

Andreas Hardt arbeitet nach über 20 Jahren als Redakteur bei SID und dapd nun als freier Journalist in Hamburg.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe August/September 2018 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

04.08.2018






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