Kolumne „Hardt und herzlich“
Hinweis auf Einsatz des Videobeweises in Fußballstadion (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Trotzdem ist es Mist

Der Videobeweis im Fußball erhitzt weiter die Gemüter. Selbst Fachleute, die es eigentlich besser wissen müssten, haben leider allzu wenig Ahnung von der Materie. Nun wird die VAR-Technik ab kommender Saison auch in der zweiten Liga eingeführt.

Von Andreas Hardt

Na, waren Sie dabei? Am 15. Januar in Berlin gab es wieder die Infoveranstaltung von VDS und DFB für uns Sportjournalisten durch Bundesligaschiedsrichter über den Videobeweis und seine Anwendung. Eine wirklich gute und wichtige Sache für alle, die sich professionell über Fußball äußern.
 
Denn seit der Video-Assistent mit Beginn der vorigen Saison eingeführt wurde, herrschen weiterhin zum Teil abenteuerliche Missverständnisse und Falschinformationen darüber, was die Leute im Kölner Keller nun eigentlich genau tun sollen und was nicht, und wie die Zusammenarbeit zwischen Schiri und dem TV-Assistenten tatsächlich funktioniert.
 
Die Schiedsrichter fühlen sich oft unverstanden und zu Unrecht kritisiert. Und sie haben einen Punkt, wenn ein ehemaliger Top-Schiedsrichter als Experte im Pay-TV-Studio kritisiert, die Fahne eines Assistenten wegen Abseits sei erst nach einem (vermeintlichen) Tor und damit zu spät gehoben worden.
 
Oder wenn im gedruckten Fachblatt Ähnliches steht. Wenn Kommentatoren erklären, Köln hätte auf Elfmeter entschieden, ist das einfach falsch. Köln gibt nur Hinweise, es entscheidet immer der Schiri. Und so weiter.
 
Das ändert nichts daran, dass wir viele Entscheidungen zu Recht kritisieren. Die unterschiedliche Auslegung von Handspiel durch die Schiedsrichter ist ein Ärgernis, ebenso wie ungleiche Maßstäbe bei Foulspiel. Das ist nicht neu, hier bewerten menschliche Augen und Emotionen. Trotzdem ist es Mist.
 
Bei Abseits dagegen, objektiv messbar mittels der Technik, läuft es gut. Auch wenn wir alle uns von liebgewordenen Floskeln wie „gleiche Höhe“ und „Im Zweifel für den Angreifer“ verabschieden mussten. Nicht alles Neue ist schlecht. In diesem Sinne: Ein gutes 2019.

Andreas Hardt arbeitet nach über 20 Jahren als Redakteur bei SID und dapd nun als freier Journalist in Hamburg.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Februar/März 2019 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

23.03.2019






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