Linktipp „Karneval.de“
Website www.karneval.de (Foto: Screenshot)

Me moss och jönne könne

Wer nicht aus den Regionen stammt, in denen Karneval, Fasching oder Fastnacht zelebriert wird, der fremdelt mit dem bunten Treiben. Eine Website gibt Nachhilfe. Großen Nutzen stiftet dabei der Ewige Rosenmontag-Kalender. Helau und Alaaf!

Von Clemens Gerlach

Wir Norddeutsche sind ein merkwürdiges Völkchen. Finden viele. Stur, humorlos, abweisend. Das kommt hin. Und auch nicht. Denn wir Norddeutschen sind vor allem norddeutsch. Das kann man nicht lernen. Nicht ohne Grund, sondern mit ganz viel Berechtigung reimten die Hamburger Hip-Hopper von Fettes Brot einst „Nordisch by nature“. Jo, so is dat nu mol.

Wir Norddeutschen sind aber auch noch tolerant. Wir würden nie über – laut Angaben im Personalausweis – herdenartig auftretende Volljährige herziehen, die sich wild verkleiden, sehr viel Alkohol konsumieren und das vollkommen ungeniert in aller Öffentlichkeit tun. Das ist nun einmal Brauchtum, im Rheinland zum Beispiel, wenn Karneval ist (Foto: firo sportphoto/Augenklick).

Die großen Sportvereine dieser Gegend bringen aus diesem Anlass immer wieder spezielle Trikots heraus. Die kommen spitzenmäßig an, auch wenn manch einer findet, dass das noch mehr Geldschneiderei ist als sonst schon. Leute, macht Euch mal locker, me moss och jönne könne.

Und bitte keine blöden Kommentare, dass die Mundart-Kapelle De Höhner mehr oder minder flächendeckend unterwegs ist, also auch in den Bundesligastädten Köln, Mönchengladbach oder Düsseldorf spielt und es überall total stimmungsmäßig super findet. Die Bagaluten-Combo Torfrock ist auch nicht gerade wählerisch in puncto Auftrittsorte. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Wenn ich Norddeutscher es richtig verstanden habe, dann ist Rosenmontag dieses Jahr sehr spät dran. Am 4. März ist der – kann man das so sagen? – Höhepunkt der närrischen Zeit. Für viele ist es extrem wichtig zu wissen, auf welchen Tag in den kommenden Jahren der Rosenmontag fällt. Später als der 8. März kann es im Übrigen nicht sein und auch nicht früher als der 2. Februar.

Wer es genau wissen will, der sollte einmal die Website Karneval.de ansteuern. Bis ins Jahr 8200 und rückwirkend bis 1700 kann der geneigte Spaßfreund dort durch Eingabe in ein algorithmiertes Dialogfenster erfahren, wann Rosenmontag sein wird beziehungsweise gewesen ist.

Die Seite wird betrieben von der Kreissparkasse Köln. Diese fühlt sich „im Sinne ihres öffentlichen Auftrages auch der Förderung des Brauchtums und der Kultur in der Kölner Region verpflichtet“. Karneval und Kultur? Wat wells de maache? Et kütt wie et kütt. Und wir geben jetzt zurück in die norddeutsche Tiefebene.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Februar/März 2019 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

25.02.2019






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