Kolumne „Hardt und herzlich“
Älteres Modell eines Roboters (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Mir graust es

Künstliche Intelligenz, Virtual Reality und noch vieles mehr. Die Digitalisierung macht dies möglich. In den Medien wird Roboter-Journalismus ausprobiert. Noch ist die Qualität überschaubar. Doch das muss nicht so bleiben.

Von Andreas Hardt

Oh, süße Erinnerungen! Am 25. Spieltag standen sich in Hamburg der FC St. Pauli und der HSV gegenüber. Eine Partie, die durch die Tabellensituation an der Spitze der Zweiten Liga im Vorfeld in der Stadt noch mehr elektrisierte, als das bei diesem Lokalderby ohnehin immer der Fall ist.
 
Das schaffte auch überregionales Interesse. So sahen wir auf der Sportseite einer überregionalen Tageszeitung aus Berlin online eine Vorschau. Da stand unter anderem: „Beide Teams gingen im Hinspiel mit einer Nullnummer auseinander. Hoffentlich haben die Zuschauer diesmal mehr Gründe zum Jubeln. Die Vorzeichen versprechen ein ausgeglichenes Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften.“ Ein Autoren- oder Agenturkürzel fehlte.
 
Nun wollen wir hier keine Stilkritik betreiben. Manche Texte mögen wir, manche nicht. Manche scheinen uns besser gelungen, andere gar nicht. So wie oben aber schreibt nicht einmal der untalentierteste Praktikant. Was also ist dies?
 
Irgendwann kommt dann der Verdacht, dass es sich um „Roboter-Journalismus“ handelt. Das spart Zeit und Arbeitskraft. Und bei einem Artikel, der frei im Internet zugänglich ist, ohne Bezahlschranke, scheint alles egal.
 
Dann fällt uns ein, dass es in Hamburg schon lange das Unternehmen „Sportplatz Media“ gibt, das mit einigem Erfolg eine „textengine“ anbietet. Da finden wir einen älteren Text über ein Spiel in der Landesliga: „Die Vorzeichen sprechen für ein ausgeglichenes Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften.“ Hmm.
 
Als vor etwa 40 Jahren die ersten Computer-Schachprogramme erschienen, dachte niemand, dass diese Maschinen menschliche Spieler jemals schlagen würden. Was für ein Irrtum! Mir graust es. Und nicht, weil Robotertexte so schlecht sind. Noch!

Andreas Hardt arbeitet nach über 20 Jahren als Redakteur bei SID und dapd nun als freier Journalist in Hamburg.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe April/Mai 2019 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

13.05.2019






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