Kolumne „Hardt und herzlich“
Meinungsstarke Fußball-Weltmeisterin Megan Rapinoe aus den USA (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Mehr Mut und Unabhängigkeit, bitte!

Sie ist eine Ausnahme. Als Fußballspielerin und auch sonst. Weltmeisterin Megan Rapinoe äußert öffentlich ihre Meinung, auch wenn sie dabei aneckt. sportjournalist-Kolumnist Andreas Hardt wünscht sich mehr dieser mutigen Sportler*innen.

Vor ich weiß nicht wie vielen Jahren hatte ich das große Vergnügen, während eines Irland-Urlaubes im Fernsehen das Finale des nationalen Hurling-Pokals zu verfolgen. Es spielen dort die irischen Countys jährlich ihren Meister aus.
 
Nach der Siegerehrung hielt der Kapitän des siegreichen Teams von der Tribüne des Croke Parks in Dublin eine der beeindruckendsten Reden, die ich je von einem Sportler gehört habe. Reines Charisma, unglaublich. Und der Typ hatte etwas zu sagen (Kolumnen-Logo: VDS/Andreas Mann).
 
Wie komme ich jetzt bloß auf Megan Rapinoe? Sportler haben Einfluss. Sie werden gehört. Und wenn sie substanziell ihre Meinung vertreten können, dann kann das ein Glücksfall sein.
 
Rapinoes Appell an die Menschen in den USA (und eigentlich an uns alle), mehr zu tun, mehr zu lieben, zu respektieren, zuzuhören und Andersdenkenden mit Offenheit zu begegnen, statt sie einfach nur zu verdammen und zu hassen, geht ja weit über ein „Verdammtes Weißes Haus!“ und das Etikett „Trump-Gegnerin“ hinaus.
 
Sich so klar zu positionieren, das braucht Mut und Unabhängigkeit. Schaut man sich viele Kommentare zu Rapinoe in diesen verdammten sozialen Netzwerken an, dann ahnt man, dass zahlreiche Menschen andere Werte haben als zum Beispiel die Co-Kapitänin der Fußball-Weltmeisterinnen.

Oh, diese privaten und geschäftlichen Interessen!
 
Ja, Berufssportler stehen in der Öffentlichkeit. Viele lehnen es ab, sich in gesellschaftlichen Fragen klar zu positionieren, schon aus der nachvollziehbaren Sorge heraus, dass dies ihren privaten und geschäftlichen Interessen schaden könnte.
 
Wer sich nicht öffentlich festlegt, der kann auch nicht polarisieren und muss keine Konsequenzen fürchten. Und doch: Manchmal wünschte ich mir mehr Typen im Profisport wie den Hurling-Kapitän dieses irischen Countys und wie Megan Rapinoe.

Andreas Hardt arbeitet nach über 20 Jahren als Redakteur bei SID und dapd nun als freier Journalist in Hamburg. Seine Kolumne stammt aus der Ausgabe August/September 2019 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes. VDS-Mitglieder erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

28.08.2019






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