Kolumne „Hardt und herzlich“
HSV-Fußballprofi Bakery Jatta (Foto: sampics Photographie/Augenklick)

Vorurteile und Versagen

Über den HSV-Profi Bakery Jatta wurde zuletzt reichlich berichtet. Leider war kaum etwas bewiesen. sportjournalist-Kolumnist Andreas Hardt wühlte sich durch den Müll und entdeckte Ressentiments en masse.

Das Schlimmste sind immer die Kommentarspalten. Beziehungsweise der unerträgliche Müll, der dort teilweise abgesondert wird. Das ist nicht besonders überraschend, wir haben das auch schon bei Özil/Erdogan erleben müssen, unter anderem. Und jetzt auch im „Fall“ Jatta, der kein Fall war – sondern eine öffentlich vorgetragene Verdächtigung.
 
Die Afrikaner! Kann man sich vorstellen. Wieso spielt der so gut? Voll integriert. Man weiß doch, wie es ist in diesen Ländern. Wo ist Daffeh? Typisch HSV! Zu viele Flüchtlinge. Asylbetrug! #TeamJatta. Die AFD hat auch ’ne Meinung. Keinerlei Beweise. Recherche in Gambia. Nur der HSV (Kolumnen-Logo: VDS/Andreas Mann).
 
Dass unsere Gesellschaft gespalten ist, das wissen wir längst. Diese Pole mussten wir nun auch bei der Berichterstattung über HSV-Profi Bakery Jatta beobachten. Wie Geier auf frisches Aas sind alle auf das Thema angesprungen, als die Sportbild ihre unbewiesenen Zweifel an der Identität des Spielers veröffentlicht hatte. Dem Unfug und (auch rassistischen) Ressentiments waren Tür und Tor geöffnet.
 
Fehler und Vorurteile wurden leider auch in diversen Medien transportiert. Die viel beschworene Solidarität der Proficlubs gab es kaum, der Wunsch, Punkte am grünen Tisch zu ergattern war bei einigen übermächtig. Der DFB-Kontrollausschuss leitete nur wegen der auf wackligen Füßen stehenden Berichterstattung ein Verfahren ein. Das ist – mit Verlaub – abenteuerlich.
 
Am Ende gab es fast nur Verlierer, allen voran der junge Mann Jatta. Und es gab einen einzigen Gewinner: Nur der HSV. Mit der eindeutigen Rückendeckung für seinen Spieler hat es der Verein geschafft, das miserable Image der letzten Jahre zu korrigieren und Sympathiepunkte zu sammeln – aber zu welchem Preis?

Andreas Hardt arbeitet nach über 20 Jahren als Redakteur bei SID und dapd nun als freier Journalist in Hamburg, unter anderem für das Abendblatt. Seine Kolumne stammt aus der Ausgabe Oktober/November 2019 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes. VDS-Mitglieder erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

23.10.2019






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