Kolumne „Ansichtssache“
Kunstspringer in Aktion (Foto: GES-Sportfoto/Markus Gilliar/Augenklick)

Sprungbrett Sportredaktion

Das Sportressort ist traditionell der Hort vieler Talente. Dies gilt insbesondere für die Süddeutsche Zeitung. Das hat gerade wieder sportjournalist.de-Kolumnist Wolfgang Uhrig festgestellt.

Und jetzt also Thomas Hahn. Wieder einer, der bei der Süddeutschen Zeitung aus dem Ressort Sport heraus für Aufgaben berufen wurde, die über Anstoß und Abpfiff hinausgehen: Hahn ist jetzt Japan-Korrespondent mit Sitz in Tokio. Nach Reportagen zum „Tee als Grundnahrungsmittel in Friesland“ oder zu „Schuld und Düne – Winterurlaub an der Ostsee“ aus dem SZ-Büro Hamburg las man nun von ihm aus dem SZ-Büro Tokio über die „Koexistenz zwischen Mensch und Bär“ oder „Japans Firmen sparen zu viel“.

Ebenso von der Judo-WM, den bevorstehenden Olympischen Sommerspielen oder auch über Lukas Podolski in Kobe – das volle Tablett für Thomas Hahn (Logo: SZ). Der frühere Ski-nordisch-Experte passt ins Bild der SZ und ihrer Rotation in der Redaktion – immer wieder mittendrin das Ressort Sport. Nach Hahns Weggang aus Hamburg verblieb dort Peter Burghardt, dazu nun Ralf Wiegand, beide gelernte Sportreporter.

Boris Herrmann jetzt im Berliner Parlamentsbüro

Burghardt war früher Spanien- und auch Südamerika-Korrespondent. Dort sein Nachfolger wurde Boris Herrmann. Inzwischen ging Herrmann, 2014 ausgezeichnet mit dem „Großen Preis“ des Verbandes Deutscher Sportjournalisten in die Politik. Er schreibt jetzt aus dem SZ-Parlamentsbüro in Berlin. Weiter im Ausland ist der frühere Handball-Experte Christian Zaschke – zuerst London, heute New York. 

Sport als Sprungbrett, für die SZ-Personalchefs auch am Standort München eine Art Selbstbedienungsladen (Logo: VMS). Der viermal mit dem Helmut-Stegmann-Preis des Vereins Münchner Sportjournalisten geehrte Michael Neudecker ist in der Zentrale verantwortlich für die Seite „Panorama“, Ex-Tennisfachmann Josef Kelnberger für die „Meinung“, der frühere Formel-1-Reporter René Hofmann für „München, Region und Bayern“. Besonders hervorzuheben die „Seite 3“-Edelfeder Holger Gertz, ebenfalls hervorgegangen aus dem Sport. 

Ein Karussell als Kompliment für die jeweiligen Ressortleiter Ludwig Koppenwallner, Michael Gernandt, Ludger Schulze und Klaus Hoeltzenbein, nur vier seit der SZ-Gründung im Jahre 1946. Als Chefs haben sie jungen Kolleg*innen die Gelegenheit gegeben, sich für neue Aufgaben zu profilieren. Freude, aber auch Frust für diese Sportchefs, weil sie Lücken in ihrem Ressort immer wieder aufs Neue schließen mussten.

Doch zum Glück gibt es manchmal auch den Weg zurück. Zum Beispiel Gerhard Fischer, in Stockholm langjähriger Schweden-Korrespondent. Fischer schreibt heute im Lokalen unter anderem über Fußball, porträtiert Münchner Menschen auf der Seite „Leute“. Oder Javier Caceres, fünf Jahre Jahr lang SZ-Korrespondent in Madrid, drei Jahre bei der EU in Brüssel. Mit Sitz in Berlin gehört er nun wieder zur Sportredaktion.

„Wer Sport machen kann, der kann alles machen“

Boris Herrmann ist übrigens nicht der einzige aus der Reihe von SZ-Sportlern, die es zum „Großen VDS-Preis“ brachten. Diese Ehrung ging bereits siebenmal an Ronald Reng, früher schon an die Kollegen Birk Meinhardt und Gerhard Waldherr. Beide sind heute freie Journalisten oder Schriftsteller, so wie Hajo Schumacher, 2013 beim Deutscher Reporterpreis geehrt.

Und längst bundesweit prominent sind ZDF-Moderator Jochen Breyer und Bestsellerautor Axel Hacke – der SZ-Sport hält Wort. „Wer Sport machen kann“, sagte einmal der Verleger Dr. Hubert Burda während seiner Zeit als Bunte-Chefredakteur, „der kann alles machen.“ Dafür ein Belegexemplar liefert die Süddeutsche Zeitung.

Die Kolumne „Ansichtssache“ schreibt Wolfgang Uhrig für den Verein Münchner Sportjournalisten. Wir danken dem Autoren und den VMS-Kolleg*innen für die Überlassung des Textes.

04.12.2019






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