Kolumne „Hardt und herzlich“
Teilnehmer der Deutschen Seniorenmeisterschaften in der Leichtathletik (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Berührende Hobbysportler*innen

Sie erreichen keine Weltrekorde, dafür aber unsere Herzen. sportjournalist-Kolumnist Andreas Hardt würdigt diese „normalen“ Leute, die ganz und gar ungewöhnliche Leistungen vollbringen.

Als Otto Tylkowski die Ziellinie beim Ironman in Kailua-Kona überquerte, nach 16:36 Stunden, stand da Jan Frodeno und gratulierte dem Hamburger. Der Rekordsieger war knapp neun Stunden schneller als der 74-jährige Senior aus Norddeutschland, seine Bewunderung für die Leistung des alten Herren aber war ehrlich.

Mittlerweile sind sie zusammen in einer Talkshow aufgetreten, und die „Sportschau“ hat ein Filmchen über den rüstigen Rentner gedreht. Menschen, die die Grenzen der Leistungsfähigkeit erreichen, faszinieren uns. Je außergewöhnlicher oder absurder das ist, desto größer ist das Interesse (Kolumnen-Logo: VDS/Andreas Mann).

Auch die vier Frauen aus Hamburg, die sich als Team RowHHome anschicken, den Atlantik in einem Ruderboot zu überqueren, werden in einer Mischung aus Bewunderung und Verwunderung betrachtet. Auch sie wurden schon vom Fernsehen zum Talk angefragt, auch ihr Tun wird filmdokumentarisch begleitet.
 
Irgendwie machen diese Hobbysportler*innen uns ja Hoffnung, dass wirklich jeder seine Grenzen verschieben kann. Es sind „normale“ Leute, die arbeiten, Familie haben und eben nicht ihr ganzes Leben dem Beruf Sport unterordnen. Ihr Leben scheint uns näher als das der sportlichen Super-Profis.
 
Das Knacken der Zwei-Stunden-Grenze über die Marathon-Distanz haben wir auch alle verfolgt. Es war eine großartige Leistung. Aber es war auch eine hyper-professionell vorbereitete Aktion, die Unsummen verschlungen hat für Hightech-Ausrüstung und Laborbedingungen. Eliud Kipchoge hat es super gemacht. Applaus, Applaus – emotional berührt hat er zumindest mich aber nicht.
 
Ich fiebere mit Otto Tylkowski, ob er es 2020 als dann 75-Jähriger auf Hawaii schafft, seinen Traum von der Top-Fünf-Platzierung seiner Altersklasse zu verwirklichen. Das Fernsehen übrigens ist dann auch wieder dabei.

Andreas Hardt arbeitet nach über 20 Jahren als Redakteur bei SID und dapd nun als freier Journalist in Hamburg, unter anderem für das Abendblatt. Seine Kolumne stammt aus der Ausgabe Dezember 2019/Januar 2020 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes. VDS-Mitglieder erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

08.01.2020






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