Kolumne „Hardt und herzlich“
Designierter Bayern-Boss Oliver Kahn (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Der „Titan“ der Zocker tritt ab – endlich

sportjournalist-Kolumnist Andreas Hardt sagt servus zu einem der bekanntesten Gesichter der Fußballbranche. Nein, Oliver Kahn hört bei den Bayern nicht auf, er gibt im Gegenteil noch mehr Gas. Doch als Wett-Testimonial macht der „Titan“ künftig keine Faxen mehr. Okay, ist zu verschmerzen.

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Wir werden uns von einem vertrauten Gast in unseren Wohnzimmern trennen müssen. Gefühlt immer war er da in den vergangenen über acht Jahren, wenn wir vor dem Bildschirm saßen und die Bemühungen unserer Fußballmannschaften verfolgten. „Jetzt kommt die Halbzeitanalyse“, sagte der Moderator. Und dann kam: Oliver Kahn.

Nein, nicht zur Halbzeitanalyse im Zweiten, wo man die Champions League seit zwei Jahren nicht mehr besser – sondern nur noch bei deutscher Finalteilnahme sieht. Sondern im Bezahl-TV, und der „Titan“ analysiert auch nicht. Er verführt. Zum Wetten (Kolumnen-Logo: VDS/Andreas Mann).

Damit soll nun Ende des Jahres Schluss sein. Kahn wird seinen Job als Vorstandsvorsitzender-Azubi bei Bayern München intensivieren. Ende des nächsten Jahres soll er schließlich Karl-Heinz Rummenigge beerben. Und wie sieht das aus, wenn einer Boss des FC Bayern ist und gleichzeitig „Testimonial“ eines Wettanbieters? Eben. Eigentlich passend.

Denn Kahns Auftraggeber ist ja auch ein Platinpartner der Bayern und unterstützt die Fußball-Bundesliga im Ganzen. Das Unternehmen setzt etwa eine Milliarde Euro im Jahr um. 2019 sollen die Wetteinsätze in Deutschland laut der Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia 9,3 Milliarden Euro betragen haben.

Dagegen stehen gesellschaftliche Kosten von knapp 400 Millionen Euro, die durch problematisches Spielverhalten (keinesfalls nur Wetten, aber auch) entstehen. Zyniker werden sagen, die Rechnung stimme also. Sport ist gesund, und Wettbewerb ist fair. Natürlich. Und Wetten legal.

Trotzdem werde ich Oliver Kahn im nächsten Jahr nicht vermissen, und Thomas Häßler kann auch gerne gehen. Eigentlich alle. Darauf ein Weißbier – natürlich ohne Alkohol. Wir wollen doch im sportlichen Umfeld keine Süchte schüren.

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16.12.2020






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