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Rentner nach Einkauf (Foto: GES-Sportfoto/Markus Gilliar/Augenklick)

Alte weise Männer und die Öffis

In diesen Zeiten ist Solidarität besonders wichtig. Doof nur, dass ausgerechnet Sender, die sehr privilegiert sind, mit ihren Inhalten dazu beitragen, dass das Gegenteil erreicht wird. Und das hat mit „alt, weiß und männlich“ sehr wenig zu tun.

Von Clemens Gerlach

Alte weiße Männer gelten als die Problemmenschen unserer Zeit. Ich kenne viele Personen, auf die diese Beschreibung zutrifft. Zumeist sind das zugewandte, wertschätzende und dazulernen wollende Zeitgenossen. Schauen Sie einmal zwecks Inspiration auf die Website von „Programm Altersbilder“. Daher nehme ich an, dass „alte weiße Männer“ nicht der richtige Ausdruck dafür ist, wenn wir Engstirnigkeit, Verharrungs-Beharrlichkeit und sowas meinen. Wie wäre es stattdessen mit „Idioten“?

Von meiner Mini-Warte aus habe ich den Eindruck, dass quer zu Geburtsjahr, Hautfarbe und Geschlecht Menschen nicht begreifen wollen, dass heutzutage anders diskutiert, geschrieben und gesprochen wird als anno schlagmichtot, damals, als alles seinen festen Platz hatte und es so wunderbar sortiert war. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Märchenhafte Zeiten.

Heutzutage wenden sich viele Menschen mit einer Vehemenz gegen zum Beispiel das Gendern, dass einem angst und bange wird. Böse Bekanntheit hat ein „Aufruf zum Widerstand“ erlangt. In diesem wird gefordert: „Setzt die deutsche Sprache gegen diesen Gender-Unfug wieder durch!“

Irritierend ist, dass die Unterzeichner*innen, die es nicht ertragen können, wenn Alther(r)gebrachtes hinterfragt wird, in ihrem Treiben aktive Unterstützung von Institutionen erfahren, die gänzlich andere Aufgaben haben.

Oder steht irgendwo geschrieben, dass öffentlich-rechtliche Sender Beiträge ermöglichen sollen, in denen eine Studie des Umweltbundesamtes mit dem Titel „Gendergerechtigkeit als Beitrag zu einer erfolgreichen Klimapolitik“ als „verschwurbelter Strunzkunzfirlefunz“, „Wortdurchfall auf höchstem Niveau“ und „Bullshit vom Feinsten“ abqualifiziert wird?

Auf Anfrage des sportjournalist teilte der für den TV-Beitrag verantwortliche Sender Aufschlussreiches mit. „Für uns als Programmanbieter sind Pluralität und Meinungsvielfalt die wichtigsten Werte. Grenzen geben nicht die unterschiedlichen Auffassungen oder Haltungen vor, sondern sind durch (straf-)rechtliche Normen gesetzt. Ob der Künstler mit seinen Inhalten Zustimmung erfährt, darüber entscheidet unser Publikum.“

Quotengeilheit und Verächtlichmachen

Das war zu erwarten, lieber rückgratschwacher rbb. Ich wollte aber fair sein und vorher nachfragen, bevor ich dich öffentlich kritisiere. Wofür? Dass du über deiner Quotengeilheit vergisst, was dein eigentlicher Auftrag ist? Geschenkt!

Ich will nicht akzeptieren, dass du mit Mitteln der Haushaltsabgabe solche Sendungen wie die des Scheinsatirikers und Aufruf-Erstunterzeichners Dieter Nuhr („Nuhr im Ersten“) finanzierst und damit einer Haltung Vorschub leistest, die den herrschaftsfreien Diskurs systematisch verächtlich macht. Alt, weiß, männlich? Wenn es so einfach wäre!

Dieser Text stammt aus dem sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung von sj-Jahresabonnement und Einzelheften beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

10.12.2020






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