Linktipp „Presserat“
Website des Presserats (Abbildung: Screenshot)

Legitime und illegitime Schärfe

Was darf man noch sagen? Alles, sofern es nicht einen Straftatbestand darstellt. Es gibt also Meinungsfreiheit in diesem Lande. Auch deshalb wird hart debattiert. Jüngst auf der Facebookseite des Verbandes Deutscher Spotjournalisten – mit einem versöhnlichen Ausgang und ohne Einschalten des Presserats.

Von Clemens Gerlach

Der aus Göttingen stammende und in Berlin lebende Autor Max Goldt urteilte einmal über die Bild-Zeitung: „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß [sic!] so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt [sic!]. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“

An Goldts über zwei Jahrzehnte alte Aussage musste ich denken, als sich auf der Facebookseite des VDS eine Debatte darüber entspann, was gesagt werden darf und was nicht. Thematisiert wurden Meinungsfreiheit und deren Grenzen. Anlass der Auseinandersetzung war eine Personalie aus der Fußball-Bundesliga, es ging um die Neubesetzung einer Stelle im Medienbereich mit einer ehemaligen Bild-Führungskraft.

Ein Facebook-User postete: „Hetze und Rechtspopulismus gehört [sic!] wohl zur Grundausbildung bei Axel Springer.“ Ein anderer, der für Springer arbeitet, hielt diese Äußerung für einen „infamen Kommentar“, mit dem viele Springer-Angestellte „diffamiert“ würden. Er forderte den VDS auf, „einzuschreiten bzw. Farbe zu bekennen“. Der Facebook-User, der den Springer-Mann so in Wallung gebracht hatte, stellte in einem zweiten Posting klar, über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Das täte ihm leid.

„Dass alle Angestellten diesen bestimmten Kurs des Verlags mittragen, ist eine Verallgemeinerung, die nicht richtig ist. Es nervt mich einfach nur ungemein, dass gefühlt kein Tag vergeht, an dem Welt oder Bild mit hetzerischen Kommentaren und Schlagzeilen Journalismus betreiben, der zum Diskurs nichts beiträgt und von der Chefredaktion gebilligt wird“, schrieb er.

Diese Klarstellung brachte ihm das Lob eines weiteren Facebook-Users ein, der ebenfalls bei Springer in Lohn und Brot steht. Dieser räumte zudem ein, dass „mancher Kommentar, gerade bei der Bild, durchaus scharf“ sei. Ich freue mich, dass die Kollegen ihren Konflikt untereinander regeln konnten (Abbildung: Facebook/VDS).

Und ich freue mich, etwas gelernt zu haben. Es gibt eine legitime Schärfe, die nach Ansicht mancher Springer-Leute den Springer-Medien in ihrer Berichterstattung zusteht. Und es gibt eine illegitime Schärfe, die nach Ansicht mancher Springer-Leute sanktioniert werden muss, wenn es um die Bewertung des Springer-Konzerns geht. Danke, liebe Kollegen!

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15.04.2021






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