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Freiburg geht als Titelverteidiger ins Meisterrennen

In echt werden die Bayern immer deutscher Meister. Gähn! Was aber, wenn nicht Punkte zählen, sondern die wahren Werte des Fußballs, zum Beispiel Fan-Teilhabe oder Chancengerechtigkeit? Die „Gute Tabelle“ bringt es an den Tag. Glückwunsch, geschätzter SC Freiburg, zum Titelgewinn und viel Erfolg in der neuen Saison!

Von Clemens Gerlach

Seit jeher sind die Menschen auf der Suche. Nach Nahrung. Nach Zuneigung. Nach Erkenntnis. Und nach der Wahrheit. Wo mag sie sein? Versteckt sie sich irgendwo? Gibt es sie überhaupt? Einer, der auch sonst vorgibt zu wissen, wie es zu laufen hat, legt sich fest. „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, sagt Otto „Rehakles“ Rehhagel in der Tradition Alfred „Adi“ Preißlers.

Auf dem Spielfeld ist in der Tat jede Menge los. Doch fallen dort wirklich die Entscheidungen? Ist es noch fairer Sport? Eingedenk globaler Geldströme und einer Flut an Wettbewerben mutet der Fußball mehr denn je völlig ver- und überdreht an. Denn Teams mögen formal einer sportlichen Liga angehören, finanziell jedoch trennen sie oftmals Welten. Manche Superstars beziehen ein Jahresgehalt, das höher ist als das einer ganzen gegnerischen Elf.

Moritz Eckert und Stephan Peters, die sich selbst als „große Fußballfans“ bezeichnen, haben deshalb für die deutsche Bundesliga die „Gute Tabelle“ entwickelt. „Diese“, so schreiben sie, „sortiert sich nicht nach Punkten und Toren, sondern nach den wahren Werten des Fußballs: Fan-Teilhabe, Nachhaltigkeit, Fairplay, Toleranz, Glaubwürdigkeit, Chancengerechtigkeit.“ Bei ihnen war nach Abschluss der Saison 2020/2021 der SC Freiburg deutscher Meister. Dahinter folgte der FSV Mainz 05, dann kamen die Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach (die derzeitige Tabelle sieht anders aus, da nun auch die Aufsteiger Bochum und Greuther Fürth berücksichtigt sind; die Red.).

Im Interview mit 11Freunde sagte Eckert noch: „Fußball ist doch mehr als nur Gewinnstreben.“ Da hat er recht. Nur wird es immer schwerer zu erkennen, was diesen prinzipiell sehr schönen Sport tatsächlich ausmacht. Denn vor allem ist der Fußball, wie er sich schon lange präsentiert, eine riesige Bühne für noch größere Narzissten. Ein Milliardengeschäft mit monopolistischen Strukturen, das wie bei den Internet-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Google nach Zerschlagung schreit.

Wird das passieren? 1987 textete der (inzwischen leider chauvinistisch-verschwörerisch irrlichternde) Smiths-Sänger Morrissey: „Love, peace and harmony / Love, peace and harmony / Oh, very nice, very nice, very nice, very nice / But maybe in the next world.“ Im Fußball klappt es ja möglicherweise schon eher.

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10.08.2021






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