Linktipp „Gender Equality Media“
Screenshot der Website „Gender Equality Media“ (Foto: GE)

Das Ende des medialen Sexismus in Deutschland

Die Macherinnen von „Gender Equality Media“ setzen sich für „einen Kulturwandel“ ein. Unter anderem fordern sie „eine geschlechtergerechte und diskriminierungsfreie Öffentlichkeit“. Daran stören sich noch viele. Doch es gibt prominente Unterstützer*innen.

Von Clemens Gerlach

Der Initiativen sind viele. Zwei aus jüngster Zeit seien genannt. Die wichtigsten deutschsprachigen Nachrichtenagenturen kündigten an, künftig „diskriminierungssensibler“ berichten zu wollen. Der Deutsche Olympische Sportbund veröffentlichte einen Offenen Brief. In diesem wurde zu einer „ausgewogenen und gleichwertigen Sportberichterstattung“ angeregt, einer „ohne stereotype und diskriminierende Darstellungen von Sportlerinnen in Wort und Bild“.

Wie waren die Reaktionen? Zustimmend. Ablehnend. Belustigt. Belächelnd. Bunt. Divers. Vielfältig. Das pralle Leben also, auch auf der Facebookseite des Verbandes Deutscher Sportjournalisten. Gefragt wurde dort, was die Position des VDS sei. Gute Frage, ich kann sie aber nicht beantworten.

Was ich kann oder glaube, es zu können, um es mit der gebotenen Sensibilität zu sagen, ist einen Versuch zu unternehmen, warum die Reaktionen auf das Gendern so unterschiedlich sind. Das Thema polarisiert deshalb so sehr, weil in unruhigen Zeiten das Bedürfnis nach Sicherheit und Verlässlichkeit noch stärker ausgeprägt ist als hierzulande eh schon.

Und da stören Menschen, die sich für eine fairere Sprache und deren ebensolchen Gebrauch wie nichts Gutes ins Zeug legen, einfach. Habt Ihr nichts Besseres zu tun? Was soll der Quatsch? Klimawandel (oder vielleicht – sorry – Klimakatastrophe?) und Corona reichen doch schon. Kann man so sehen. Muss man nicht. Wir leben in einem freien Land.

Als es noch nicht so unübersichtlich war, hieß es gerne mal, wenn einer sich für etwas einsetze, was der Ruhe und Ordnung liebenden BRD-Mehrheit nicht gefiel. „Geh’ doch nach drüben!“ Wird schwierig heute. Aufgrund der Digitalisierung ist quasi alles immer und überall verfügbar. Auch Meinung.

Jeder Mensch ist sein eigenes Medium. Das strengt an und hört nicht mehr auf. Es ist aber notwendig, sich mit anderen Positionen auseinanderzusetzen, mögen diese beim Erstkontakt auch noch so absurd wirken (strafrechtlich Bewehrtes fliegt aber raus aus dem Diskurs). Das gilt ganz besonders für uns Journalist*innen.

„Schaffung eines breiten Bewusstseins für eine diverse Berichterstattung“

Der Verein „Gender Equality Media“ macht sich für „einen Kulturwandel in den Medien“ stark. „Unser erklärtes Ziel ist eine geschlechtergerechte und diskriminierungsfreie Öffentlichkeit, das Ende des medialen Sexismus in Deutschland sowie die Schaffung eines breiten Bewusstseins für eine diverse Berichterstattung“, schreiben die Macherinnen.

Manch eine*r mag darob „Träumt weiter, Mädels!“ raunen. Kein Problem, als Spott daherkommende Ablehnung kann eine großartige Motivation sein. Jetzt erst recht. Geht klar.

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30.11.2021






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