Kolumne „Hardt und herzlich“
Kommunikation will gelernt sein (Foto: GES-Sportfoto/Werner Eifried/augenklick)

Ja, dann redet doch!

Ohne Spielerberater geht es nicht, mit ihnen aber auch oftmals nicht. Sie mauern, legen falsche Spuren und instrumentalisieren. Diesen Eindruck hat wenigstens sportjournalist-Kolumnist Andreas Hardt gewonnen.

Um es gleich vorneweg zu sagen: Ja, ich bin enttäuscht bis sauer und deshalb persönlich betroffen. Und wahrscheinlich bin ich auch tatsächlich „von gestern“, weil ich mich an mache Umgangsformen einfach nicht gewöhnen mag. Wenn die aber heute normal sind, dann ist es wohl so.

Stichwort Berater. Transfermarkt listet aktuell auf 40 Internetseiten á 25 Zeilen die in Deutschland tätigen Spielerberater auf. Da sind die bekannten Riesen dabei, die über 100 Profis betreuen, mit zahlreichen Mitarbeitern Rundumsorglos-Pakete schnüren. Für die Spieler und für sich.

Da sind aber noch viel mehr darunter, die einen oder keinen oder drei Spieler beraten. Sogar Co-Trainer schicken zu Vertragsgesprächen bereits Berater vor und das nicht nur zur rechtlichen Prüfung eines Kontraktes, sondern zum Einbau von Ausstiegs-, Handgeld- und Prämienklauseln. Aber das ist das Problem der Sportchefs (Hardt-Foto: privat).

Wir kommen mit Beratern in Kontakt, wenn wir mal hören wollen, was ein Spieler so plant oder wie es ihm geht. Oder weil man etwas ganz Banales wissen will, zum Beispiel, wie es beim Verein XYZ so war, wo der Spieler mal spielte, und ob er was Nettes zum ehemaligen Mitspieler ABC sagen kann. Das wären fünf Minuten Telefonat oder sechs Zeilen E-Mail.

Die Antwort per Mail: „Der Spieler hat gerade viele Projekte, wir bitten um Verständnis, dass er sich nicht äußern wird.“ Nein. Habe ich nicht. Wir reden nicht von einem Weltstar sondern von zweiter Liga und vertragslos. Was soll das?

Aber immerhin wurde noch geantwortet. Das haben wir auch schon anders erlebt. Mailbox vollgesprochen, WhatsApp hinterhergeschickt, E-Mail, immer unterwürfig gebeten. Keine Reaktion. Als sei man Luft. Sich dann aber beschweren, man würde spekulieren. Ja, dann redet doch! Gerne auch vertraulich.

Zuletzt verfestigte sich der Eindruck, dass der Umgang rauer wird

Sich dann aber zu melden, wenn es den eigenen Interessen bei Vertragsgesprächen gilt, und vom Interesse anderer Klubs an dem Spieler zu reden und uns damit zu instrumentalisieren. Die Medien außerdem einteilen, der ist gut und der ist kritisch und die nutzen mir was. Alles super, wirklich.

So, genug. Es geht natürlich auch anders, mit vielen Beratern kann man wunderbar zusammenarbeiten, respekt- und auch vertrauensvoll. Dennoch verfestigte sich zuletzt der Eindruck, dass der Umgang rauer wird – sollte das etwa mit unserer Gesellschaft insgesamt zu tun haben?

Andreas Hardt, vormals Redakteur bei SID und dapd, arbeitet als freier Journalist von Hamburg aus. Er schreibt die Kolumne „Hardt und herzlich“ für den monatlichen Newsletter des Verbandes Deutscher Sportjournalisten. Hier gelangen Sie zu Hardts Xing-Profil.

01.06.2022






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