Olympia-Kolumne „Neues vom Giganten“

Auf dem Trockenen

In Rio de Janeiro werden die Sommerspiele 2016 ausgetragen. Bis dahin sollte der Olympia-Gastgeber besser das Trinkwasser-Problem lösen.

Von Heiner Gerhardts

Wohin man auch Auge und Ohr richtet, es waltet Krise. In der Politik, in der Wirtschaft, im Geldbeutel des kleinen Mannes. Selbst wer es schafft, steigende Inflation, realen Lohn-Wertverfall, anziehende Kreditzinsen oder rückläufigen Konsum zu umdribbeln, leidet unter der „crise hídrica“, der Knappheit des Trinkwassers.

Ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen wankt der Gigant Brasilien. Der Staat reagiert mit Etat-Kürzungen, die Arbeitgeber mit Entlassungen, die Arbeitnehmer mit Streiks.

In Zeiten der „mageren Kühe“ hört selbst in Rio de Janeiro der Spaß auf. Der Carioca freut sich zwar über die verlängerte Happy Hour als Kundenfang in den hippen Devassa-Kneipen, wählt dann aber den halb so teuren Flusskrebs als ins Menü aufgenommenen Garnelen-Ersatz im Gourmet-Restaurant „Chez L‘Ami Martin“ in São Conrado. Oder der Einheimisch steht beim Edelgrill „Porcão“ schon mal vor verschlossenen Türen, weil Geld für Personal oder gar das Fleisch fehlt.

Die lokalen Olympia-Macher schwören Stein und Bein, dass dies alles „Rio 2016“ nicht tangiert. Dabei wurde der Etat des Sportministeriums, aus dem unter anderem Bauten im Olympia-Park Barra da Tijuca und dem Sportkomplex Deodoro bezahlt werden, um ein Drittel beschnitten.

Auch die Landesregierung Rios muss Finanzlöcher stopfen. Diese lockt Privatfirmen mit Steuernachlässen, um fehlende Geldmittel einzutreiben.

Olympia kann die Brasilianer am Ende teuer zu stehen kommen. Erstaunlich, dass bei diesem Krisenszenario (noch) keiner auf die Straße geht. Vor zwei Jahren reichten dazu wenige Centavos als Aufpreis bei Bus und Bahn.

30.11.2015






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