Publishing-Trend

Stadionheft? Schau ins Netz!

Immer mehr Vereine verlegen ihre Stadionzeitung ins Internet, manche davon sogar komplett. Die Zukunft gehört digitalen Medien, Papier wird aber in absehbarer Zeit nicht verschwinden.

Von Christoph Ruf

Am 17. Oktober war es beim Hamburger SV so weit. Die gute, alte Stadionzeitung erschien zum Heimspiel gegen Bayer Leverkusen erstmals in einer eigens programmierten App. Wie gut die genutzt wird, soll noch evaluiert werden. Den kompletten Verzicht auf Papier bedeutet das aber auch beim HSV nicht, der als einer der digitalen Vorreiter in der Fußball-Bundesliga gilt.

Das HSV-Magazin, das einmal im Monat mit vielen, aufwändig produzierten Hintergrundgeschichten aufwartet, erscheint nach wie vor sowohl als Printorgan als auch im Netz. Die mobilen Verkäufer, die auch in Hamburg jahrelang zum Stadion-Inventar gehörten, sucht man allerdings vergeblich. Ein paar Stapel liegen im Fanshop aus, ansonsten sollen die Reportagen und Porträts in Ruhe gelesen werden. Und zwar zu Hause.

Am Spieltag, zwischen Stadionwurst und Anpfiff, gibt es dafür auch in Hamburg ein kleines Heftchen, das zum Spielgeschehen informiert. Nicht mehr und nicht weniger. Auch in Hamburg reagiert man also mit einer zweigleisigen Strategie auf die geänderten Lesegewohnheiten der Zuschauer – Entschleunigung im Magazin, knackige Infos im Stadion.

Die Zuschauer kommen schon ziemlich gut informiert ins Stadion

„Die Leute kommen heute deutlich später auf ihre Plätze als früher“, weiß Redaktionsleiterin Laura Meyer, „die Zeiten, in denen man samstags schon um viertel vor drei auf seinem Platz saß und in Ruhe das Stadionheft durchblätterte, sind vorbei.“ Zumal immer mehr Menschen auch schon ziemlich gut informiert sind, wenn sie in der S-Bahn zum Stadion sitzen.

Die Neugierde vor Anpfiff beschränkt sich da oft auf die einzigen Informationen, die im Internetzeitalter wirklich taufrisch sind: Und das sind vor allem die Mannschaftsaufstellungen, die die meisten Vereine über digitale Netzwerke wie Twitter, ihre Homepage oder ihre Apps wenige Minuten, nachdem sie der Trainer intern verkündet hat, publik machen.

Auch Hertha BSC, die TSG Hoffenheim und die Spielvereinigung Greuther Fürth haben die Digitalisierung zuletzt vorangetrieben. Alle drei bieten am Spieltag gratis ein handliches Heftchen an, das in jede Hosentasche passt und ähnlich wie beim HSV die spieltagsbezogenen Infos präsentiert.

Nach Umstellung aufs Digitale so gut wie keine Beschwerden

In Fürth ist das Kleeblatt-Magazin komplett ins Netz gewandert, der Stadionsprecher macht vor Anpfiff noch einmal darauf aufmerksam, dass es nach wie vor im Stadion gelesen werden kann – nur eben statt für zwei Euro auf Papier umsonst auf dem Smartphone oder dem Tablet. „So gut wie keine Beschwerden“ habe es im Fränkischen gegeben, sagt Redaktionsleiter Marc Schenk.

Das Denken, wonach ein gedrucktes Produkt höherwertiger als ein digitales sei, komme den jüngeren Kleeblatt-Fans sowieso absurd vor, so Schenk. Und den klassischen Sammlern, wie sie bundesweit in der Deutschen Programmsammler Vereinigung (DPV) und auf der Internetseite Stadionheft versammelt sind, schicken sie das Magazin gerne per PDF zu. „Wer unbedingt will, kann es sich ja ausdrucken.“

Das wiederum ist bei vielen Profiklubs schon gang und gäbe. Auch Vereine wie der 1. FC Köln, die ihr klassisches Printprodukt weiter in vollem Umfang auflegen, machen ihr Heft als E-Mag gratis allen Mitgliedern zugänglich. Beim HSV hatten sie die Wahl zwischen beiden Darstellungsformen. Von über 73.000 Mitgliedern optierten nur 10.000 für die Papierform – und das, obwohl das Heft gratis zugesandt wird.

Lesen Sie im zweiten Teil, welche Vereine auch künftig Printpublikationen in besonders hoher Auflage produzieren werden.

06.12.2015






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