Stadionhefte im Wandel

Digital ist Trumpf

Die Stadionzeitungen wandern ins Netz. Dennoch haben auch Printausgaben noch ihre Bedeutung. In der Masse ist aber online der dominierende Trend.

Von Christoph Ruf

Im ersten Teil des Stadionheft-Reports ging es um die Fußballklubs, die im digitalen Wandel eine Vorreiterrolle einnehmen.

Trotz sinkender Abverkäufe – hinter vorgehaltener Hand klagt selbst mancher Erstligist, er setze an schlechten Tagen kaum noch Magazine in vierstelliger Höhe ab – wird das klassische Stadionheft an den meisten Standorten wohl noch viele Jahre (auch) auf Papier gedruckt werden. Wobei besonders die Magazine, die vom Umfang und vom journalistischen Aufwand her herausragen, die Heimfahrt überleben dürften.

Die Magazine von Borussia Dortmund, Schalke 04 (Auflage je 130.000 Exemplare) und Bayern München (200.000) sind zwischen 100 und 128 Seiten dick und enthalten zahlreiche Formate, die die Fans dazu animieren dürften, wachsende Heftstapel im Arbeitszimmer anzulegen. Dass in den vergangenen zwei Dekaden fast überall qualitative Quantensprünge zu verzeichnen sind, ist sowieso kaum zu übersehen.

So gut wie jede Redaktion setzt auf selbst produzierte Fotos. Und immer mehr etablieren sich originelle Formate, die den Standortvorteil nutzen, den die Vereine nun mal gegenüber den unabhängigen Medien haben: die Nähe zu den Stars, die der Klub im Gegensatz zu unserer Berufsgruppe ohne jede Zwischeninstanz nutzen kann. Der unübersehbare Trend zur Digitalisierung ging also nicht mit einem Qualitätsverlust bei den konventionellen Vereinsmedien einher.

Zum Teil Bedauern bei den Redakteuren – doch das Publikum setzt auf Digitales

Bliebe die Frage, wer den Trend zu App und Tablet bedauert. Die Redakteurinnen und Redakteure? Zum Teil sei das so, gibt Fürths Redaktionsleiter Marc Schenk zu: „Da gab es Diskussionen.“ Die Inserenten? Klingt erst mal plausibel, schließlich liegt zunehmend selten eine aufgeklappte Stadionzeitung mit Sponsoren-Logo neben den Kaderbildern auf dem Schoß des Dauerkarteninhabers.

Doch in der Branche versichern sie unisono, dass die Sponsoren die Entwicklung nicht bremsten, sondern beförderten. Die Inserenten seien schnell von den „neuen Möglichkeiten, wie der direkten Verlinkung auf die Firmenhomepage oder Werbespots“ zu begeistern gewesen, sagt Schenk. „Und die Beteiligung an Gewinnspielen ist natürlich auch größer, wenn die Mail mit der richtigen Antwort mit einem Klick da landet, wo sie hin soll.“

Der gleiche Tenor in Hoffenheim: „Vor allem das Argument der höheren Reichweite ist natürlich unschlagbar“, sagt Vereinssprecher Christian Frommert. Der Verzicht auf die klassische Stadionzeitung werde durch das auflagenstarke Monatsmagazin Spielfeld mehr als aufgewogen. Das kann man sich tatsächlich gut vorstellen: Die Agentur um Dirk Graalmann und Gregor Derichs (schreibt auch für den sportjournalist; die Red.) fertigt optisch wie inhaltlich ein bemerkenswert journalistisches Magazin.

„Die Branche entdeckt erst, welche Möglichkeiten sich im Digitalen bieten"

Die 15.000 Exemplare, die von jeder Ausgabe gedruckt wurden und auch an Mitglieder und Multiplikatoren versandt werden, seien allesamt vergriffen, so Frommert, der den Trend zur Digitalisierung für unaufhaltbar hält. „Ich glaube, die Branche entdeckt erst allmählich, welche Möglichkeiten sich bieten, wenn erst alle Stadien voll W-Lan-fähig sind.“

Auch Redaktionsleiterin Laura Meyer vom HSV berichtet von zahlreichen Anrufen aus dem Kollegenkreis der ersten und zweiten Liga. „Viele wollen künftig mehr Energie in digitale Magazine legen.“ Natürlich, sagt Meyer, habe man auch beim HSV erwogen, ganz auf Digital-Publishing umzustellen.

Doch die Idee wurde schnell wieder verworfen. Insbesondere ältere Menschen und Kinder seien nach wie vor auf Papier fixiert. „Und wir wollen ja nicht mitverantwortlich dafür sein, wenn Kinder und Jugendliche nur noch den ganzen Tag auf ihr Smartphone starren.

08.12.2015






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