Preisgekrönter Fotograf Sascha Fromm
Sascha Fromm: VDS-Sieger 2015 (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

Der Fänger des Regenbogens

Sascha Fromm räumt beim Fotowettbewerb des VDS und anderen regelmäßig ab. Er ist so gut und so geachtet, dass sich auch seine Kollegen vor ihm verbeugen. Porträt eines Mannes, der mit seinen Bildern vor allem eines erreichen will: Emotionen wecken.

Von Axel Eger

Der Kugelstoßring steht voll Wasser. Die runde Pfütze hinter dem Tor reflektiert das halbe Erfurter Stadion. Eine Kamera hockt einsam auf dem Tartan, ferngesteuert und das Spielfeld im Visier. Als Ronny Hebestreit den Ball ins Netz schießt, drückt Sascha Fromm an der Seitenlinie auf den Funkauslöser. Das „Sportfoto des Jahres 2002“ ist im Kasten. Ein meisterliches, ein nahezu perfektes Spiegelbild. So einfach. So schwer. Es gibt kein Fotografenglück. Es gibt nur Geduld und Beharrlichkeit. Das ist eine von Sascha Fromms Maximen.

Den Blick für das Wichtige und das Gespür für das Außergewöhnliche hat er vom Vater geerbt. Manfred Fromm, einst selbst preisgekrönter Sportfotograf der Thüringer Allgemeine, hatte rund drei Jahrzehnte zuvor kurioserweise ein ähnliches Motiv festgehalten: ein Hinter-Tor-Bild der Rot-Weißen aus Erfurt im Nebel und der spiegelnden Nässe des Herbstes (Foto: Sascha Fromm).

Anders als der Sohn drückte Fromm senior damals mit dem Finger natürlich noch direkt auf den Kameraauslöser, dosierte anschließend in der Dunkelkammer den Entwickler und zog das schwarz-weiße Foto mit banger Ungeduld aus der Schale mit dem Fixierbad.

Das Fotolabor von Sascha Fromm ist der Computer. Hier sichtet, bearbeitet und archiviert er akribisch Tausende von Fotos. Technisch ist vieles einfacher, sagt er. Die modernen Programme bieten jedem Fotografen eine Unmenge von Möglichkeiten, mit denen man freilich behutsam umgehen sollte. Den Blick für das Besondere ersetzt die Technik nicht. Manipulationen sind ein Tabu. Das wäre im Fotojournalismus fatal, sagt er. Die Wahrheit ist noch immer das beste Bild.

Es ist diese Suche nach dem Besonderen, die auch den mehrfach preisgekrönten Fotografen noch täglich antreibt – nicht nur auf den Sportplätzen. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Es hält den flüchtigen Moment fest, friert den Augenblick ein für die Ewigkeit. Ein Wimpernschlag, der nicht planbar ist. Das Ergreifende, das Unfassbare, das Kuriose – in einem Fußballspiel kann das in der ersten Minute passieren oder in der neunzigsten (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick).

Diese Ungewissheit reizt Sascha Fromm bis heute. Der 48-Jährige, Markenzeichen: umgedrehte Baseball-Cap, fotografiert seit fast 30 Jahren für die Thüringer Allgemeine. In den Stadien agiert er mit der Attitüde des Routiniers. „Je lauter es wird, umso ruhiger werde ich“, erzählt er. Doch die Ungeduld bleibt wohl auf ewig. Und so ist er stets auch ein Jäger. Einer, der sich bereithält. Bereit, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. Bereit für den besonderen Treffer mit dem Objektiv.

Es sind Schüsse, die nicht verletzen. Fromm will Emotionen wecken. Bewegen, aufwühlen. Menschen hängen an Erlebtem. Im Guten wie im Schlechten. So wird ein Bild auf tausendfache, individuelle Weise zur Projektion der Erinnerung. Es gibt so viele Nuancen von Glück und Leid, von Freude und Enttäuschung. Es muss nicht unbedingt das Lächeln sein und keine Träne, findet er. Es sind das sprichwörtliche Licht und Schatten, Nähe und Distanz, mit denen er Stimmungen erzeugt.

Und es muss nicht immer der Olymp sein. Die Liebe zum kleinen Sport liegt Sascha Fromm im Blut. Auch das hat er vom Vater: den Respekt vor den Feierabendsportlern, den Talenten und den dienstbaren Geistern in den Vereinen, deren Freude am Sport sich auch auf ihn überträgt. Anders als in den großen Stadien, wo das Frommsche Kameraauge nur eines von Tausenden ist, genießt er hier das ungestörte Beobachten und eine wohltuende Natürlichkeit (Foto mit VDS-Fotografensprecher Markus Gilliar: GES-Sportfoto/Augenklick).

Nicht zufällig entstand eines seiner preisgekrönten Fotos des Jahres bei den Landesmeisterschaften der Rhönradturner. Das Bild machte Karriere. Im April 2015 empfing Sascha Fromm zum wiederholten Male die Ehrung durch den Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS). Da er mehrfach ausgezeichnet wurde, verneigte sich Kollege Kai Pfaffenbach auf der Bühne vor einem der besten Sportfotografen des Landes. Auch danach war Sascha Fromm erfolgreich und schoss unter anderem das „Sportfoto des Jahres 2015“.

Beim renommierten „Pictures of the Year International“, dem ältesten Fotowettbewerb der Welt, hatte er zusätzlich einen Award of Excellence errungen. Und Fromm gehörte 2015 als einziger Deutscher zu den zehn Sport-Finalisten der „Sony World of Photography“ in London. Sein Mosaik von Rennrodler-Porträts schaffte es unter 173.444 weltweit eingesandten Bildern in diesen Olymp der Fotografie.

Es gibt kein Fotografenglück. Es gibt nur Geduld und Beharrlichkeit. Fromm lebt seine Arbeit mit einer ebenso fanatischen wie unerschütterlichen Besessenheit. Da fährt er wochenlang zu einem Dorfteich, weil er dort brütende Schwäne entdeckt hat. Wochenlang vergeblich. Und dann hat er das Bild mit den Küken (Foto: Sascha Fromm).

Da stoppt er auf dem Weg zu einem Basketballspiel nach Jena im kleinen Dörfchen Hochstedt, weil die Nachmittagssonne nach einem heftigen Schauer ein ganz eigenartiges Licht zauberte. Statt des Farbenschmelzes am Himmel fängt er einen Moment des gerade laufenden Kreisliga-Fußballspiels ein. Ein Bild wie ein Sittengemälde. Ein echter Fromm. Er erringt auch damit einen ersten Preis. Und so hat er doch noch und wieder einmal den Regenbogen gefunden.

Axel Eger und Sascha Fromm kennen sich seit vielen Jahren. Sie arbeiten bei der Thüringer Allgemeinen zusammen – als Sportredakteur und Fotograf.

27.04.2016






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