Der etwas andere Jahresrückblick - Teil II

Kompensationen und Cholerik

Im Fußball kommt es leider immer wieder zu Fehlentscheidungen. Blöd nur, wenn häufig bestimmte Schiedsrichter beteiligt sind. Auch manche Trainer werden immer wieder auffällig.

Von Christoph Ruf

Im ersten Teil des etwas anderen Jahresrückblicks ging es um dubiose Fußballfunktionäre, gescheiterte Hoffnungsträger und originelle Fangesänge.

Es mag auch an dieser Stelle schon ein Mal die Neunschwänzige herausgeholt worden sein, mit der wir Journalisten uns gerne daran erinnern, dass wir ja eigentlich kritische Chronisten dessen sein sollten, was wir Tag für Tag beobachten. Deswegen hier mal nur ein Gedanke, der vielleicht auch völlig abwegig ist. Aber kann es sein, dass die Berichterstattung vieler Medien in den vergangenen Jahren doch deutlich weniger affirmativ und stattdessen kritischer, journalistischer geworden ist?
 
Wenn dem so wäre, bliebe zu hoffen, dass sich das auch noch bis nach Hoffenheim herumspricht. Dort kanzelte Huub Stevens (Foto: firo/Augenklick) den Ressortleiter der Rhein-Neckar-Zeitung für eine kritische Bemerkung in einem seiner Texte nach einem Bundesligaspiel in aller Öffentlichkeit auf eine Art und Weise ab, die auf keine gute Kinderstube schließen lässt: „Ab und zu muss man draufhauen. Bei Bestimmten. Du bist es eigentlich nicht wert."
 
Eine ziemlich exklusive Sicht der Dinge hatte im Übrigen auch Manuel Gräfe beim Relegationsrückspiel zwischen dem Karlsruher SC und dem Hamburger SV. Die Debatte über die Qualität der Schiedsrichterleistungen mögen aber andere führen, Augsburgs Trainer Markus Weinzierl, dessen Team bei korrekter Auslegung der Elfmeterregel sechs, sieben Plätze weiter oben stünde und Menschen aus dem Postleitzahlen-Bereich 7 fehlt da möglicherweise die Gelassenheit.

Nüchtern festhalten kann man allerdings auch als Badener oder Augsburger, dass in dem Jahr, in dem Helen Macdonald mit „H wie Habicht“ einen fast so großen Bestseller wie „50 Shades of grey“ schrieb, die Torlinientechnologie „Hawk-Eye“ eingeführt wurde. Und allen Unkenrufen zum Trotz hat das Spiel nichts von seinem Charme verloren.
 
Spannend sind nun zwei Fragen: Wird Helen Macdonald ebenso wie E.L. James einen zweiten Teil schreiben, vielleicht diesmal aus der Vogel-, respektive Habichtperspektive? Und: Was passiert, wenn die immer gleichen Schiedsrichter die immer gleichen Fehler machen? Gräfe pfiff nach seinem Fauxpas einen Kompensations-Elfmeter für den KSC, den selbst dessen Coach Markus Kauczinski (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick) „völlig lächerlich“ fand.

Beim Spiel Wolfsburg gegen Leverkusen gab es Ende Oktober die gleiche Dramaturgie. Der Referee übersah eine meterweite Abseitsstellung vor dem Wolfsburger Tor und versuchte das durch die nächste Fehlentscheidung wettzumachen, indem er den Wölfen einen berechtigten Elfer versagte. Wer dieses Spiel gepfiffen hat? Ach, lassen wir das ...

Lesen Sie morgen im dritten und letzten Teil, weshalb 2016 für Sportjournalisten ein besonders herausforderndes Jahr werden wird – nicht nur wegen der Fußball-EM in Frankreich und den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro.

25.12.2015






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