ZDF-Sportreportage wird 50 – Teil I
Die ZDF-Sportreportage: Klassiker des deutschen Fernsehens (Grafik: ZDF/Corporate Design)

Altes Haus, solides Dach

Ein halbes Jahrhundert auf Sendung. Die ZDF-Sportreportage feiert Geburtstag und hat noch einiges vor.

Von Katrin Freiburghaus

Der Unterhaltungswert von Geburtstagspartys steigt mit dem Alter der Jubilare: Die Geschichten werden bunter, die Bewertungen milder. Allerdings darf man sich zumeist darauf verlassen, demselben zum 50. zu gratulieren, den man schon als 18-Jährigen beglückwünschte. Bei der ZDF-Sportreportage, die im Januar in ihr 51. Sendejahr startet, ist das nicht ganz sicher, so stark hat sich das Gesicht des Sportformats am Sonntag über die Jahrzehnte verändert.

Als die Sportreportage 1966 erstmals über die Bildschirme flimmerte, war das Medium Fernsehen noch jung. Telefonhörer hatten Kabel, der Redaktionsschluss einer Sendung lag aus technischen Gründen vier Stunden vor Ausstrahlungsbeginn, englischer Fußball war exotisch – und schwarz-weiß. Farbe war, was in den Köpfen der Zuschauer passierte, wenn sie skurrile Aufnahmen von Basketball spielenden Ratten sahen; oder von Schlittschuhläufern, die sich beim wagemutigen Versuch, Tonnen zu überspringen, alle verfügbaren Gelenke prellten.

Insgesamt aber gab es in den Kindertagen weniger langfristig erarbeitete Beiträge, als der Name Sportreportage vermuten ließ. „Das Programm war komplett auf die Aktualität des Wochenendes produziert“, erinnert sich Ulrich Braun. Die Redaktion bot sportlicher Vielfalt eine Bühne, lange Filme über Hintergrundthemen aber waren zunächst weiter beim Sportspiegel zu Hause.

Braun begrüßte die Zuschauer 1966 als erster von bislang 26 Moderatoren (Foto Norbert König: ZDF/Renate Schäfer). Der 89-Jährige erinnert sich nur noch an wenig von jenem 2. Januar, „aber die Hände werden wohl nassgeschwitzt gewesen sein“, sagt er. Etwas anderes hat sich fester in seinem Gedächtnis verankert: der Tag, an dem die Sportreportage ihren Namen erhielt. Das neue Format war damals zwar fertig projektiert, aber titellos. Die Redaktion wurde zur Beratung gebeten. „Nach zehn Minuten fiel der Begriff Sportreportage, aber damit war der Abteilungsleiter nicht zufrieden“, erzählt Braun, „wir haben noch 20 Minuten weiter nachdenken müssen, bevor die Idee schließlich den Zuschlag erhielt.“

Nicht nur die lange in Tarnfarben gehaltene Studiokulisse und das zwischenzeitliche Faible für spektakuläre Krawatten sind längst Fälle fürs Archiv. „Das Dach ist noch das gleiche, aber darunter ist komplett renoviert“, sagt Braun, und Redaktionsleiter Gert Herrmann hat keine Einwände: „So ein altes Haus kann man nicht stehen lassen, ohne immer mal neu zu tapezieren, aber wenn das Fundament steht und das Dach hält, ist das doch ein gutes Zeichen.“

Während der Redaktion in den ersten Jahrzehnten Zeit und Reisekilometer Grenzen setzten, sind es heute vorrangig Rechtefragen, die über Gelingen oder Verwerfen von Inhalten entscheiden. Herrmann berichtet von abseitigen Beiträgen, die es nicht über die Anbahnungsphase hinaus schafften, „weil in vielen Ländern mittlerweile selbst bei Randsportarten Signal- oder Rechtefragen ins Spiel kommen“.

Lesen Sie im zweiten Teil, an welcher populären Sportart auch die oftmals auf abseitige Berichterstattung fokussierte Sportreportage nicht vorbeikommt.

18.01.2016






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