Standpunkt
Twitter-User Daniel Höhr: Meinungsfreiheit, auch im Blödsinn, solange die Form gewahrt wird. (Foto: Screenshot Twitter-Account)

Social Media zeigt Kante!

Facebook, Instagram und Twitter – sehr beliebt und sehr umstritten. Hier plädiert ein 19-jähriger Sportjournalist ganz offensiv für die Nutzung von Social Media.

Von Daniel Höhr (VDS-Stipendiat)

Social Media – von den einen geliebt, von den anderen gemieden. Ich bin mit den sozialen Netzwerken groß geworden und habe mich intensiv mit diesen beschäftigt. Im Folgenden möchte ich zeigen, dass diese für uns großes Potenzial haben. Und ich möchte zu einer Diskussion anregen (Höhr-Foto: Finn David Kessler).
 
Social Media sind ehrlich. Ja, manchmal ist Ehrlichkeit hart. Und manchmal reibe ich mir selbst die Augen, was manche Menschen meinen, für einen Käse von sich geben zu müssen. Doch es herrscht Meinungsfreiheit, auch im Blödsinn, solange die Form gewahrt wird.

Genauso kann Social Media aber auch konstruktiv sein. Auf keinem Kanal funktioniert Feedback so einfach. Eine Mail zu schreiben, um ein Feedback zu einer Sendung zu geben? Zu umständlich. Ein Leserbrief als Antwort auf einen Artikel? Zu umständlich. Das Smartphone zu nehmen, die Kritik in 140 Zeichen bei Twitter oder ausführlicher als Kommentar bei Facebook zu verpacken und mit dem richtigen Hashtag versehen? Nichts leichter als das!
 
Die Kritik kommt von unserem Publikum, von unseren Kunden. Direkt. Gut so, wir können unser Produkt verbessern. Schnell und unkompliziert. Und ja, auf Twitter, Facebook & Co. kommt auch unbrauchbare Kritik und Anmache. Aber mal ehrlich: Die kommt auch per Leserbrief und Mail, oder?
 
Social Media verbindet Menschen! Twitter zählt weltweit mittlerweile 320 Millionen aktive Nutzer, drei Millionen davon in Deutschland. Drei Millionen potentielle Rezipienten also! Über Social Media machen Informationen und Diskussionen also schnell die Runde. Je besser der Kanal gepflegt wird, desto mehr User bindet man an sich. Und ist es nicht das, was wir Journalisten wollen? Ein möglichst breites Publikum zu erreichen?
 
Social Media zeigt Kante! Genau das ist es, was der Journalismus aktuell meiner Meinung nach braucht. Es muss Kante gezeigt werden, der Journalismus muss ein Gesicht bekommen, er muss greifbar werden. Kaum einer Berufsgruppe wird weniger Vertrauen entgegengebracht als uns Journalisten. Und warum? Weil wir für den Rezipienten nicht greifbar sind.
 
Ärzte sind im direkten Kontakt mit ihren Patienten, Taxifahrer mit ihren Fahrgästen und Flugbegleiter mit ihren Passagieren. Der Journalismus versteckt sich zu sehr hinter einem Verlag, einer Sendeanstalt oder einem Blog. Doch der einzelne wird nicht greifbar, es fehlt an Profil. Wie soll der Rezipient mit Inhalten umgehen, wenn er den Verfasser nicht einschätzen kann, insbesondere wenn es um brisante Themen geht?
 
Ich twittere seit knapp zwei Jahren unter @hoehrmedia über Themen, die mich bewegen. In meinem Mikrokosmos mit überschaubaren 160 Followern finden sich Kollegen, Freunde, aber auch Leser und Hörer meiner Artikel und Podcasts. Es findet ein Austausch statt, es wird zu Gesprächen und Themen angeregt. Dabei halten sich verbale Ausrutscher in Grenzen, die Diskussionskultur ist gut. Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch das ist möglich (Smartphone-Foto: firo/Augenklick).
 
Es gibt keine Wunderlösung, die uns von jeglichen „Lügenpresse“- und Profillosigkeitsvorwürfen befreit. Aber es gibt kleine und größere Puzzlestücke, die zusammengesetzt diesen Vorwürfen mindestens einmal entgegentreten können. Die sozialen Medien, insbesondere Twitter, halte ich für ein wichtiges Stück in diesem Puzzle.
 
Selbiges gilt nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für einen Verband wie den VDS. Warum twittern wir nicht? Der Deutsche Journalistenverband (DJV) tut dies bereits, hat mittlerweile rund 19.000 Follower gesammelt. Der DJV schärft sein Profil, lasst es uns diesem gleichtun.
 
Ja, vielleicht gehe ich mit einer gewissen Naivität an das Thema Social Media heran. Und ja, es ist für manch einen vielleicht unangemessen, wenn ein 19-jähriger Berufseinsteiger versucht, alteingesessene Sportjournalisten zu pushen. Aber so funktioniert Vernetzung, so funktioniert Anregung, und genau so funktionieren auch Social Media – nur schneller.
 
Doch unser Handwerk ist und bleibt das Verfassen journalistischer Beiträge. Um an Profil bei den Lesern, Zuschauern und Zuhörern zu gewinnen hilft Social Media allemal.

07.07.2016






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