Fair Play Preis des deutschen Sports 2015
Engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit: die 18-jährige Fair-Play-Preisträgerin Leonie Remfort aus Wittmund. (Foto: DOSB/Youtube)

Auszeichnungen für Tauzieherinnen und eine junge Ehrenamtliche

Die Damenmannschaft des Tauziehclubs Allgäu-Power Zell und Leonie Remfort aus Wittmund werden am 3. März in Wiesbaden mit dem Fair Play Preis des Deutschen Sports 2015 ausgezeichnet. Stifter des jährlich vergebenen Preises sind das Bundesministerium des Innern, der Deutsche Olympische Sportbund und der Verband Deutscher Sportjournalisten.

Der 14. Juli des vergangenen Jahres war ein brütend heißer Tag. Im Finale der ersten deutschen Meisterschaft der Frauen im Tauziehen in Aalen-Affalterried sollten die Titelfavoritinnen vom Tauziehclub Allgäu-Power Zell aus Bad Grönenbach gegen das Team des Tauzieh-Club Kaiserberg aus Göppingen-Lenglingen antreten. Doch die waren nicht mehr vollzählig, weil infolge der Hitze eine der sechs Kämpferinnen von Kaiserberg einen Schwächeanfall erlitten hatte und nicht mehr mitziehen konnte.

„Wir haben sofort entschieden, dass wir auch eine Zieherin rausnehmen“, sagt Stefanie Reisle, die leichteste in der Mannschaft. Das Finale gegen Kaiserberg verloren die Allgäuerinnen dann und verpassten die Chance, als erste deutsche Meisterinnen im Tauziehen in die Geschichte einzugehen.

Die Jury des Fair Play Preises des deutschen Sports um den Vorsitzenden Prof. Dr. Manfred Lämmer (Köln) würdigte diesen freiwilligen Verzicht auf eine Zieherin als ein besonderes faires und vorbildliches Verhalten.

„Diese faire Geste wäre schon bei einem normalen Wettkampf beeindruckend gewesen. Beim Kampf um den ersten deutschen Meistertitel überhaupt war dieses Verhalten außergewöhnlich und Ausdruck eines zutiefst von Fairness geprägten Mannschaftsgeistes“, heißt es in der Begründung der Jury.

Auch die zweite Preisträgerin ist ein Vorbild. Leonie Remfort ist als Übungsleiterin vor allem in integrativen Sportprojekten des Jugendwerkes Wittmund tätig. Eigenständig leitet sie eine HipHop-, eine Breakdance- und eine Trampolingruppe sowie Basketballtraining mit Frauen aus Flüchtlingsfamilien. Das Besondere: Leonie Remfort ist erst 18 Jahre alt und widmet ihre Freizeit bereits seit ihrem 15. Lebensjahr der Integrationsarbeit.

Stolze 1008 Ehrenamtsstunden kamen so für das Jahr 2015 zusammen. Sie setzt damit (auch in anderen sportübergreifenden Projekten) das Ziel des Vereins um: Abbau von Diskriminierung und Vorurteilen sowie Förderung der gesellschaftlichen und kulturellen Integration von Flüchtlingen. Ein aktuelles Beispiel für das Engagement von Leonie Remfort ist die Mitinitiierung eines integrativen Tanzprojektes gegen Rassismus in Wittmund.

Die Jury war beeindruckt „von ihrem langjährigen und vielfältigen ehrenamtlichen Engagement für ein respektvolles Miteinander und gegen Rassismus und Ausgrenzung“ und lobt: „Unsere Gesellschaft braucht deshalb Menschen wie sie, die handeln und die Fremdenfeindlichkeit sowie Hass etwas entgegensetzen.“

Ermutigung, sich weiter für ein faires Miteinander im Sport einzusetzen

Der Fair Play Preis des Deutschen Sports wird alljährlich vom Bundesministerium des Innern (BMI), dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) vergeben. Damit sollen nicht nur Fair-Play-Aktionen ausgezeichnet, sondern alle Sportlerinnen und Sportler ermutigt werden, sich weiter für ein faires Miteinander im Sport einzusetzen.

Der Fair Play Preis des Deutschen Sports ist in diesem Jahr erstmals mit einem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro verbunden, der zweckgebunden zur Finanzierung einer fairen Aktion gedacht ist. Vorschläge für den Fair Play Preis 2016 können ab sofort eingereicht werden. Die Personen, die als Erste die tatsächlichen Preisträger melden, erhalten eine Einladung zur Preisverleihung.

Die Verleihung des Preises findet im Rahmen der Biebricher Schlossgespräche statt. Die Veranstaltungsreihe der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) widmet sich dieses Jahr am 3. März ab 18.00 Uhr in Wiesbaden dem Thema Fair Play. Der einführende Hauptvortrag „Fair Play – das ethische Potenzial des Sports“ wird von Prof. Dr. Gunter A. Pilz (Hannover) gehalten.

Im Anschluss folgen die Ehrungen und eine Interviewrunde mit dem Präsidenten des DOSB, Alfons Hörmann, dem Parlamentarischen Staatssekretär im BMI, Dr. Ole Schröder, und dem Präsidenten des VDS, Erich Laaser. Medienvertreter können sich bis zum 1. März per E-Mail anmelden.

Ute Maag/Clemens Gerlach

26.02.2016






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