Bewegende Bewegtbilder
Ulf Ullrich: Head of TVN Sports Media (Foto: TVN)

Madsack forciert Sportvideos

Videos sind in. Videos sind für Internetseiten inzwischen unverzichtbar. Der Madsack-Konzern investiert nun verstärkt in diesem Segment.

Von Gregor Derichs

Madsack gilt auf dem Medienmarkt als eines der aktivsten und kreativsten Unternehmen. Der viertgrößte deutsche Medienkonzern mit einem Jahresumsatz nahe der Milliardengrenze besitzt im Printbereich mit einer Gesamtauflage von rund 900.000 Exemplaren seiner 18 regionalen Tageszeitungen speziell im Norden und Nordosten einen großen Einfluss. Der Branchendienst Meedia bezeichnete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) bei einem Test im Vergleich zu den Zentralredaktionen DuMont und Funke kürzlich als „Vorbild“. Der Konzern hat es geschafft, sich stärker als andere große regionale Häuser im Fernseh- und Digitalbereich zu positionieren. In Hannover wird offensichtlich gezielt an einer Wachstumsstrategie gearbeitet, die den permanenten Rückgang im Print ausgleichen sollen.

Die TVN Group, Madsacks Spezialist für Film-, Fernseh- und Internet-Projekte, wird mit TVN Sports Media, einer ihrer acht Abteilungen, künftig verstärkt Content aus dem Sportbereich anbieten. Dies meldete der Konzern unlängst. Die Nachfrage für visuell aufbereitete Sportthemen ist hoch, auch der Sport-Informations-Dienst (SID) mit seinem längst um Videos erweiterten Portfolio profitiert davon. Madsack nimmt auch TV-Sender als Kunden für den Sport ins Visier. Die Leitung der TVN Sports Media übernimmt Ulf Ullrich, früher ARD-Programmchef für Olympia in Vancouver, DSF/Sport1-Chefredakteur sowie Redaktionschef von ran bei Sat.1.

Die Hannoveraner können eine langjährige Expertise auf dem Fernsehmarkt vorweisen. Die TVN Group wurde schon 1984, als das Privatfernsehen entstand, als Madsack-Tochter für technische Dienstleistungen für TV-Sender und Bewegtbild-Produktionen gegründet. Sie hat sich mit den Jahren als Zulieferer von Fernsehformaten etabliert. Neben der produktionstechnischen Umsetzung des ZDF-Talks „Markus Lanz“ waren die TVN-Technikexperten auch in der Fußball-Champions-League schon unterwegs.

Enge Verbindungen bestehen zu den niedersächsischen Fußballklubs VfL Wolfsburg und Hannover 96 (Schürrle-Foto: firo/Augenklick). Dokumentationen für den NDR und RTL, für Institutionen wie die Europäische Zentralbank und Unternehmen wie die in Hannover ansässige Drogeriekette Rossmann wurden inhaltlich konzipiert und umgesetzt. Und dies sind nur Ausschnitte einer längeren Referenzenliste. TVN versteht sich als Fullservice-Agentur mit den Geschäftsfeldern Unternehmenskommunikation, Fernsehtechnik, Sendebetrieb, Fernsehinhalte sowie Medienfachpersonal.

Videos ein immer bedeutenderes Element des Medienmarktes

Nun soll die Abteilung TVN Sports Media systematisch journalistisch anspruchsvolle Sportvideos sowie Sport- und Talkevents produzieren. Erfahrung und Kontakte für die Umsetzung sind im Unternehmen reichlich vorhanden. Und die Ausrichtung deckt sich mit den Prognosen, dass Videos ein immer bedeutenderes Element des Medienmarktes sein werden. Der Boom von Netflix, Maxdome und Co., der sogar den etablierten TV-Sendern auf Dauer die Quoten verderben kann, passt zu diesem Trend. Heute spielt es bei der Produktion kaum mehr eine Rolle, ob Bewegtbilder von TV-Sendern abgespielt werden oder im Internet auf Abruf (on demand) zur Verfügung stehen.

Je stärker die zur Verfügung stehenden Bandbreiten im Netz werden, desto höher werden die Nutzerzahlen für Videos. Die Zeiten, dass sich ein Video wegen zu großer Datenmengen nur ruckelnd bewegte, sind vorbei. Auch lässt sich visuelles Material über das Mobilnetz immer besser benutzen. Kein Internetauftritt, dessen Ziel es ist, größere Usermassen anzuziehen, kann auf Videos verzichten.

Videos, die sich ohne Worte quasi selbst erklären, sind aber eine Seltenheit. Viele Bilder gewinnen erst ergänzt oder erklärt durch (gesprochenen) Text an Tiefe und Bedeutung. Interviews gehörten ohnehin schon immer zum journalistischen Kerngeschäft. Insofern liegt im Videomarkt eine beträchtliche Chance – jüngere Kollegen wissen es schon lange – guten Journalismus zum Zug kommen zu lassen.

03.04.2016






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