Podcast-Report – Teil I
Fußballmanager Horst Heldt: Podcast im Ohr? (Foto: firo Sportphoto/Augenklick)

Das unterschätzte Medium

Der Podcast ist nutzerfreundlich und stark im Kommen. Ist das Webradio-Angebot auch eine kommerzielle Chance für Verlage?

Von VDS-Stipendiat Marc Wiese

Es ist Montagmorgen, acht Uhr – Pendlerzeit. In der Bahn das übliche Bild: Der eine plaudert mit dem Nachbarn, der andere hat eine Zeitung in der Hand oder Kopfhörer im Ohr. Während die meisten Menschen den Tag mit entspannter Musik einläuten, hören echte Fußballfans die „Schlusskonferenz“. Nein, hier ist nicht die letzte Viertelstunde der Bundesliga-Spiele vom Samstagnachmittag gemeint. Es geht um einen Podcast, in dem die Partien des vergangenen Spieltags jeweils dezidiert in einer Expertenrunde besprochen werden.

Die Akteure im Rasenfunk sind meist bunt gemischt: Von Journalisten über Blogger bis hin zu Fans einzelner Vereine ist alles dabei. Mit der klassischen Berichterstattung im Sport hat die Sendung weniger zu tun, wie Gründer Max-Jacob Ost findet: „Der Rasenfunk ist eher für die Filterblase gedacht, die mit Populismus wenig und sachlichen Diskussionen mehr anfangen kann.“ Im August 2014 starteten Ost und sein Kollege Frank Helmschrott das Projekt. Mit Erfolg: Die wöchentliche Schlusskonferenz erzielt pro Folge rund 6000 Downloads, Tendenz steigend (Wiese-Foto: privat).

Wenn von Journalismus die Rede ist, geht es oft um die gängigen Medien: Zeitung, Radio, Fernsehen oder Internet. Nur selten werden Podcasts genannt. Dabei steigt die Nutzung des Audioformats. Das Kunstwort „Podcast“ setzt sich zusammen aus den Begriffen Pod für „Play on demand“ und Broadcast. Im Allgemeinen ist ein Podcast ein Audio- oder Videobeitrag, der im Internet abgespielt und/oder aus diesem heruntergeladen werden kann. Über sogenannte Podcatcher (wie zum Beispiel iTunes) ist es möglich, bestimmte Podcasts zu abonnieren und jede neue Folge automatisch herunterzuladen, sobald diese verfügbar ist.

Laut einer ARD/ZDF-Onlinestudie ist die Nutzung von Podcasts von sieben Prozent 2014 auf 13 Prozent 2015 gestiegen. Der einfache Grund: Kein anderes Medium ist so nutzerfreundlich wie der Podcast. Ob zuhause beim Wäscheaufhängen, beim Sport oder unterwegs in Bus und Bahn – die Audiosendungen können jederzeit gehört, gestoppt und wiederabgespielt werden. Der Podcast passt perfekt ins heutige On-demand-Zeitalter.

Der Positivtrend des Mediums ist auch auf die Anzahl an verfügbaren Podcasts zurückzuführen. Vor allem im Sport wird das Angebot immer vielfältiger. Mittlerweile gibt es zu beinahe allen Bundesliga-Klubs einen eigenen Podcast. Der geneigte Medienkritiker mag an dieser Stelle die Dominanz des Fußballs monieren. Ganz im Gegenteil: Gerade das Randmedium Podcast bietet den Randsportarten die wohl größte Plattform. Bei einem Blick auf die Podcast-Charts in Apples iTunes sind in der Kategorie Sport stets diverse Breitensport-Formate vertreten.

Gemeint sind hier nicht nur Basketball („Got Nexxt“ und NBA Lockdown) oder Tennis („Chip and charge“). Ob Laufen („Fat boys run), Segeln („Segelradio“) oder Bergsteigen („B5 für Bergsteiger“) – es gibt kaum eine Sportart, zu der man keine Audiosendung findet. Eine derartige Vielfalt ist in keinem anderen Medium gegeben. „Ich denke, gerade im Sport sind Podcasts als Alternativmedien stark unterschätzt. Besonders im Nischensportbereich haben Podcasts viele Funktionen: Sie können den Austausch der Fans untereinander befördern, vereinsbezogene Informationen zugänglich machen oder auch Transparenz fördern“, erklärt die Hamburger Medienwissenschaftlerin Nele Heise.

Lesen Sie im zweiten Teil des dreiteiligen Reports über Podcasts, wieso dieses Medium eine Belebung für den Sportjournalismus insgesamt ist.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe August 2016 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

04.10.2016






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