Podcast-Report – Teil II
Früh übt sich, wer es im Podcastbusiness zu etwas bringen will (Foto: sampics/Augenklick)

Frischer Wind im Sportjournalismus

Podcasts sind in. Vor allem Randsportarten, die sonst unter der Dominanz des Fußballs leiden, können vom Einsatz des Webradios profitieren.

Von VDS-Stipendiat Marc Wiese

Im ersten Teil des dreiteiligen Reports über Podcasts ging es um die Gründe für die wachsende Beliebtheit dieses Mediums.

Der Vorreiter in Sachen Vielfalt ist meinsportradio.de. Der Online-Radiosender bietet die meisten der Bundesliga-Vereinspodcasts an. Zurzeit verfügt meinsportradio.de über 33 regelmäßige Formate verteilt auf 15 Sportarten. Dazu kommt die täglich ausgestrahlte „Sportshow“, in der es nicht selten um Snooker, Bahnrad, Wasserspringen oder Crossgolf geht.

„Viele Sportarten genießen in unserer leider sehr fußballlastigen Medienwelt nicht die Aufmerksamkeit, die ihnen eigentlich zustehen sollte. Das wollen wir ändern, indem wir besonders diesen Sportarten und ihren zahlreichen Anhängern eine neue mediale Plattform geben“, sagt Chefredakteur Malte Asmus.

Und die Hörer wissen, dass sie bei meinsportradio.de gut versorgt werden. Mittlerweile verzeichnet das Online-Radio sportartübergreifend 200.000 Podcast-Downloads. Asmus sieht im Podcasting eine realistische Möglichkeit für Randsportarten, mehr Aufmerksamkeit in den Medien zu bekommen: „Unsere Podcasts, aber auch unsere Live-Übertragungen sind eine große Chance für Rand- und Nischensportarten, sich medial zu präsentieren. Das generierte größere Interesse wird sich über kurz oder lang auch in anderen Medien widerspiegeln.“

Das Podcast-Wachstum bringt frischen Wind in den Sportjournalismus. Besonders in Zeiten, in denen dieser durch die sozialen Medien und die steigende Anzahl an Videoangeboten immer visueller wird. Vor allem für Sportjournalisten bieten Podcasts ein Spielfeld, auf dem sie ihrer Arbeit fern von Zwängen durch Verlage oder Sender nachgehen können. Das Medium bietet seinem Betreiber eine ähnliche Attraktivität wie Blogs. Es gibt wenige bis gar keine Beschränkungen, alles liegt in Hand der Macher. Somit bieten Podcasts einen Raum für tiefgehende, umfassende Analysen und Diskussionen.

„Ich habe im Rasenfunk eine fast sechsstündige Ausgabe zur Geschichte der Fußballtaktik gemacht. Wo hätte ich das sonst so ausführlich machen können? Das Beeindruckende: Genau diese Folge ist unsere meistgehörte“, sagt Gründer Max-Jacob Ost. Im digitalen Medienzeitalter, das gekennzeichnet ist von zunehmendem Schnelligkeits- und Aktualitätszwang, sind Podcasts so etwas wie ein Gegenpol. Sie bieten die Möglichkeit, der wachsenden Oberflächlichkeit in der Medienlandschaft entgegenzuwirken.

Dazu tragen auch Formate wie „Collinas Erben“ bei. In Anlehnung an den ehemaligen Fußball-Weltschiedsrichter Pierluigi Collina beschäftigt sich der Podcast von Fokus Fußball intensiv mit dem Thema Schiedsrichter. Es werden Entscheidungen, Leistungen und der öffentliche Umgang mit den Unparteiischen beurteilt. „Mit Angeboten wie ‚Collinas Erben’ können Podcasts dazu beitragen, dass Themen, die in der ‚normalen’ Berichterstattung nur wenig Raum finden, detailliert diskutiert werden können“, sagt die Hamburger Medienwissenschaftlerin Nele Heise.

Lesen Sie im dritten und letzten Teil des Reports über Podcasts, dass auch noch so enthusiastische Macher dieses Mediums an Modellen der Finanzierung arbeiten müssen.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe August 2016 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

11.10.2016






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