DuMont-Niedergang
DuMont-Vorstandsvorsitzender Christoph Bauer (Foto: DuMont Mediengruppe)

Belegschaften von Berliner Zeitung und Berliner Kurier müssen bluten

Für den Journalismus hierzulande war es wieder einmal ein schlechter Tag. Bei den DuMont-Blättern Berliner Zeitung und Berliner Kurier fallen 50 von 160 Stellen weg. Auch in anderen Redaktionen der Mediengruppe könnten bald Kürzungen anstehen.

Von Gregor Derichs

Alfred Neven DuMont galt als großer Verleger, er baute mit dem DuMont M. Schauberg Verlag eines der größten, deutschsprachigen Medienimperien auf. Der Kölner Stadtanzeiger zählte zu den renommiertesten, bundesweit beachteten Regionalblättern, auch wegen der einstigen Nähe zu Hauptstadtpolitikern in Bonn. Der Express war so stark, dass die Bild im Rheinland eine ungewöhnlich kleine Rolle spielte. Neven DuMont führte zeitweise den Verband Deutscher Zeitungsverleger, zugleich hatte er ein Herz für Journalismus. Nichts geschah im Verlag gegen den Willen des Patriarchen, der 88-jährig im Mai 2015 starb (Foto: DuMont Mediengruppe).

Sohn Konstantin hatte sich früh durch abstruse Ideen für die Nachfolge disqualifiziert. Im Mai 2014 hatte der „Alte“ als eine seiner letzten Maßnahmen in Christoph Bauer einen ehemaligen Bertelsmann-Manager eingestellt, der sich in der Schweiz einen Namen als harter Sanierer gemacht hatte. Und jetzt?

Das Branchenblatt Horizont präsentierte im Oktober einen Situationsbericht zur Mediengruppe DuMont, zu der neben Stadtanzeiger, Express und Kölnischer Rundschau unter anderem auch die Berliner Zeitung, die Mitteldeutsche Zeitung (Halle) und die Hamburger Morgenpost gehören. „Ohne Geld und ohne Visionen“ – das Manager Magazin hatte schon im Mai ein katastrophales Bild des Verlags gezeichnet. Schon wenn nur zum Teil wahr wird, was Horizont, offenbar mit Interna versorgt, beschreibt, kann es extrem ungemütlich in den Redaktionen von DuMont werden.

Verlustbringer müssen bei Managern wie Bauer weg, vor allem, wenn keine Perspektive auf Besserung zu entdecken ist. Sonst verdirbt man sich eine auch von etlichen anderen Verlagsbereichen getriebene Bilanz, in der 2015 mit insgesamt 3376 Beschäftigten 546 Millionen Euro Umsatz und 10,3 Millionen Euro Gewinn erzielt wurden.

Viele Federn gelassen hatte DuMont seinerzeit durch die Übernahme der damals insolventen Frankfurter Rundschau, die mittlerweile an der Seite der FAZ wieder an Stabilität gewonnen hat. Doch die Probleme im schrumpfenden Printbereich scheinen stetig größer zu werden.

Das muss ein Witz sein, ein ziemlich schlechter

„Die Printausgabe ist ökonomisch so gut wie tot“, hieß es bei Horizont über den Express. Ebenso düster wurde über die Berliner Zeitung berichtet, die in einem permanenten Überlebenskampf steckt. Inzwischen ist klar, dass die Redaktionen von Berliner Zeitung und Berliner Kurier zur Berliner Newsroom GmbH zusammengelegt werden. Der Schritt ist mit einem Verlust von 50 der bisher 160 Stellen verbunden.

Damit vermutlich nicht genug, weiteren DuMont-Redaktionen soll angeblich eine brachiale Therapie verordnet werden. Der Kölner Stadtanzeiger und auch die anderen Blätter könnten eventuell komplett ganze Mantel-Seiten einkaufen, Funke biete diese für 200 Euro pro Stück an, Madsack offeriere den Service noch günstiger, schreibt Horizont. Hat sich da einer verhört? War das ein Schreibfehler? Wurde eine null vergessen? 20 Seiten Mantel-Zeitung für 4000 Euro! Das muss ein Witz sein, ein ziemlich schlechter. Oder handelt es sich um Kampfpreise, die Redaktionen in Zeitungen zerstören sollen, die dann reif sind zur Übernahme?

Kauft Konkurrenz DuMont-Zeitungen auf?

Bei Madsack in Hannover und bei Funke in Essen funktioniert die Synchronisation der verschiedenen Zeitungen offenbar besser, als das DuMont jemals hinbekommen hat. „In der Branche wird gemunkelt: Die Gesellschafter des rheinischen Imperiums könnten ihre Firma ganz oder teilweise verkaufen – an die Funke-Gruppe in Essen“, heißt es in Horizont zur Zukunft des stolzen Kölner Verlags.

Funke scheint bei der Koordinierung seiner Zukäufe Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost mit seiner WAZ-Gruppe voranzukommen. Sich Teile von DuMont einzuverleiben könnte in die Strategie passen. Aber auch für das stattliche Reich von Madsack mit seinen nord- und nordostdeutschen Blättern könnten Zeitungen wie die Mitteldeutsche und die Berliner etwas sein. Das Kartellamt würde am Ende ein Wörtchen mitreden.

27.10.2016






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