Symposium in Schwerin
Medikation für DDR-Sportler (Foto: Lars Ulrich Houschka)

Staatliches Doping in der DDR – Kenntnisstand und gesundheitliche Folgen

Für die Opfer des DDR-Dopings ist es überaus schwer, finanzielle Hilfe zu bekommen. Denn viele Ärzte sind mit den notwendigen Gutachten überfordert. Auf dem Symposium „Staatliches Doping in der DDR – Kenntnisstand und gesundheitliche Folgen“ geht es am 26. Oktober in Schwerin zudem um andere Aspekte dieser komplexen Thematik.

Mitte 2016 ist das zweite Dopingopfer-Hilfegesetz in Kraft getreten. Der Bund hat dafür über zehn Millionen Euro bereitgestellt. Die Antragsfrist für eine finanzielle Hilfe für die geschädigten ehemaligen Sportler wurde bis Ende 2018 verlängert. Diese Verlängerung war dringend notwendig geworden, denn die Voraussetzung für die Hilfe ist ein fachärztliches Gutachten, das beim Bundesverwaltungsamt vorgelegt werden muss. Und diese Gutachten sind für viele Dopingopfer nicht einfach zu bekommen.
 
Viele Mediziner sind mit der Problematik schlichtweg überfordert und können nicht weiterhelfen. Zudem sind – soweit überhaupt vorhanden – Unterlagen des Sportmedizinischen Dienstes der DDR (SMD) nicht archivarisch aufgearbeitet oder bereits nach der obligatorischen Aufbewahrungsfrist vernichtet worden.
 
Die Gutachter müssen sich einen beachtlichen sporthistorischen Wissensstand erarbeiten, denn die ehemaligen Hochleistungssportler haben zumeist nur ihre Erinnerungen und ihre schweren physischen und psychischen Schäden vorzuweisen. Die Erinnerungen sind zudem häufig durch den enormen Einsatz von Schmerzmedikamenten im Zusammenhang mit der Vergabe anaboler Steroide getrübt. Die Erstellung der Gutachten braucht Zeit und eine sorgfältige Methodik (Foto DTV-Pokal 1988 Halle: privat).
 
Aber es ergibt sich damit auch die einzigartige Möglichkeit, die Ergebnisse entsprechend wissenschaftlich auszuwerten. Die mittlerweile hoch spezialisierten Gutachter für Sportgeschädigte, Prof. Dr. Harald Freyberger (HELIOS-Kliniken Stralsund/Universität Greifswald) und Dr. Jochen Buhrmann (HELIOS-Kliniken Schwerin), haben mit mehreren Doktoranden die Forschungsarbeit aufgenommen.
 
Unterstützt wird dieses Projekt von der Doping-Opfer-Hilfe. Erste Ergebnisse werden nun auf einem Fachsymposium der HELIOS-Kliniken am 26. Oktober 2017 in Schwerin vorgestellt (Ludwig-Bölkow-Haus in der Graf-Schack-Allee 12). Beginn ist um 17.00 Uhr, Ende um circa 21.00 Uhr.
 
Neben der Vorstellung der Forschungsergebnisse wird es weitere Fachvorträge zum Thema von Ines Geipel (Vorsitzende Doping-Opfer-Hilfe), Anne Drescher (Landesbeauftragte Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR) und André Keil (Norddeutscher Rundfunk) geben. Die Ergebnisse des Symposiums werden in einer abschließenden Podiumsdiskussion zusammengefasst.
 
VDS-Mitglieder sind zu diesem Symposium eingeladen. Bitte melden Sie sich per Mail bei André Keil (keil@sportjournalist.de) an.
 
„Staatliches Doping in der DDR – Kenntnisstand und gesundheitliche Folgen“
26. Oktober 2017 (Beginn um 17.00 Uhr, bis circa 21.00 Uhr)
Ludwig-Bölkow-Haus
Graf-Schack-Allee 12
19053 Schwerin

23.09.2017






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