Thomas Horkys Gastprofessur
Indiana University (Foto: IU)

„Die Indiana University ist in Forschung über Sportkommunikation weltweit top“

VDS-Partner und Macromedia-Professor Thomas Horky nimmt in diesem Jahr einen Lehrauftrag in den USA wahr. Es geht nach Bloomington/Indiana. Die dortige Medienfakultät genießt internationale Anerkennung.

Von Andreas Hardt

Bloomington/Indiana. 84.000 Einwohner. Eine „Baumstadt“ mit Umweltprogramm, 1818 gegründet. Hillary Clinton wurde hier gewählt, Donald Trump auf dem Land drumherum. Und sonst? „Für mich wird dort ein Traum wahr“, sagt Thomas Horky, „ich habe keine Sekunde gezögert, als die Einladung kam.“ Denn Bloomington ist vor allem die Indiana Universität. 48.000 Studenten, eine der bedeutendsten Hochschulen der USA. Genau dort wird der Hamburger Journalistikprofessor im Frühjahr als Gastdozent unterrichten. „So etwas wollte ich schon immer einmal machen“, sagt Horky, „das ist für mich auch eine große Ehre.“

Den Sportjournalismus hat er von der Pike auf gelernt (Foto Thomas Horky, links, mit dem neuen VDS-Stipendiaten Robin Meyer: Macromedia). Während des Sportwissenschaftsstudiums freier Mitarbeiter bei der Welt in Hamburg, Hockey-Experte. Als ehemaliger Spieler kannte er sich da bestens aus. Volontariat bei der dpa, dann der Wechsel von der Praxis zur Theorie: Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Dozent, unter anderem an der Universität Hamburg, in Lüneburg und Leipzig, zwei Jahre an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Seit Herbst 2009 ist Horky Professor an der privaten Macromedia Hochschule in Hamburg, er leitet den Bereich Sportjournalismus.

„Ich halte in Bloomington zwei Lehrveranstaltungen. Einmal über das System des deutschen und europäischen Sports, das sich vom amerikanischen völlig unterscheidet“, erklärt er. Stichworte: Vereinssystem, Auf- und Abstieg aus Ligen. Aber auch der Aspekt Mediensysteme einschließlich öffentlich-rechtlicher Sender wird den US-Studenten nahegebracht. Und zweitens? „Passend zur Fußball-WM 2018 geht es um die Bedeutung von Fußball in Deutschland und Europa“, erklärt Horky: „Wir in Deutschland definieren uns über Fußball. Viele sagen, der WM-Titel 1954 war die eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik.“

Nach den Vorlesungen im Anschluss ein Forschungsprojekt zur Fußball-WM

Dass die USA völlig unerwartet die Teilnahme an dem Turnier in Russland verdaddelt haben, war nicht nur für den Sport im Land ein Rückschlag, sondern auch für den Sportmedienwissenschaftler. Denn nach den Vorlesungen bis Ende Mai soll sich noch ein Forschungsprojekt zur WM anschließen, in dem es um die Darstellung des Turniers in den US-Medien gehen soll. Doch diese Planungen sind zunächst über den Haufen geworfen. „Wir sind noch unschlüssig, was wir machen sollen“, sagt Horky, „es klärt sich vermutlich erst vor Ort.“

Möglich wird das Abenteuer, weil ihm sein Arbeitgeber in Hamburg ein Forschungssemester genehmigt hat. „Die Indiana University ist in der Forschung über Sportkommunikation weltweit top“, sagt Horky. Was er nicht sagt: Er auch. Sonst hätte es diese Einladung ja nicht gegeben. Sein Kollege Galen Clavio, Professor für Sportkommunikation und Soziale Medien, hat diese im Frühjahr ausgesprochen. Man kennt sich durch einen internationalen Verband im Bereich Sportkommunikation.

Jährlich gibt es eine Konferenz an wechselnden Orten in den USA, wo die Wissenschaftler ihre Ergebnisse vorstellen. Horky sitzt im Board of Directors dieser Organisation und im Herausgebergremium zweier Fachzeitschriften, in denen er regelmäßig veröffentlicht. „Ein Teil meines Jobs ist die Forschung, da mache ich viel, auch international“, sagt der 52-Jährige, der 2013 mit Kollegen die weltweit größte vergleichende Studie über Sportberichterstattung in Printmedien veröffentlicht hat.

In Zusammenarbeit mit dem VDS Stipendium für besonders Begabte

In Hamburg sind Horky sowie mehrere Lehrbeauftragte und Dozenten an der Hochschule tätig. Sieben Semester dauert die Ausbildung, bei der die jungen Leute alle Aspekte des Sportjournalismus kennenlernen können und sollen. In Theorie und Praxis. Schreiben, filmen, interviewen, schneiden. Praktika machen, Reportagen erstellen und Spielberichte über Champions-League-Partien wie ein Agenturschreiber mit dem Schlusspfiff abliefern, alles dabei. 880 Euro monatlich kostet das Studium.

Auch deshalb gibt es seit fünf Jahren in Zusammenarbeit mit dem VDS ein Stipendium für besonders Begabte. Horky, ein VDS-Vertreter und meist drei Journalisten bilden die Jury. Der 18 Jahre alte Robin Meyer aus Bahlingen war 2017 am überzeugendsten. „Die meisten, die bei uns studiert haben, kommen irgendwo unter“, erklärt Horky durchaus mit Stolz. Erst einmal aber müssen die Studenten auf ihren Professor verzichten – der ist dann mal weg.

Dieser Artikel, hier in gekürzter Fassung, stammt aus der Ausgabe Dezember 2017/Januar 2018 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

26.01.2018






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