Medienbericht
Peter Hutton (Foto: Eurosport)

Facebook wirbt Eurosport-Senderchef Hutton ab

Olympia-Sender Eurosport muss sich vermutlich bald einen neuen Chef suchen. Peter Hutton steht nach einem Bericht der britischen Tageszeitung The Guardian bei Facebook hoch im Kurs und hat bereits zugesagt.

Laut Informationen des Guardian soll der Wechsel Huttons von Eurosport zu Facebook erst nach dem Ende der Olympischen Winterspiele erfolgen. Die Wettkämpfe im südkoreanischen Pyeongchang dauern vom 8. bis 25. Februar. Die Eröffnungsfeier ist am 9. Februar.

Eurosport gehört zu Discovery. Das US-Unternehmen hatte vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die europäischen Übertragungsrechte an den Winter- und Sommerspielen für die Jahre 2018 bis 2024 erworben. Nach langwierigen Verhandlungen einigten sich Discovery und ARD/ZDF auf eine Sublizenzierung. In den Jahrzehnten zuvor hatten stets die Öffentlich-Rechtlichen den Zuschlag vom IOC erhalten.

Hutton führt Eurosport seit drei Jahren. Sein Engagement bei Facebook, das vermutlich in den nächsten Tagen offiziell bestätigt werden wird, zeigt deutlich, wie sehr sich die Medienwelt gewandelt hat und weiter wandeln wird (Foto: firo sportphoto/Augenklick). Gerade die Sozialen Netzwerke wie Facebook oder YouTube, aber auch Konzerne wie Amazon versuchen, durch die Live-Übertragung von Sportereignissen das bestehende Publikum zu binden und neues zu gewinnen. Hier soll Hutton aktiv werden und seine Kontakte nutzen.

Dabei geht es um die Rechte an den weltweit bekanntesten Wettbewerben und Ligen. Dazu zählen unter anderem im Fußball die englische Premier League. Auch die in den USA beliebten Sportarten Football, Baseball, Eishockey und Basketball sind gefragt. Jüngst bot Facebook um die Indian Premier League im Cricket. Den Zuschlag erhielt jedoch Star India, das zu Rupert Murdochs Medienimperium gehört. Der Preis für TV- und Digitalrechte in den nächsten fünf Jahren belief sich auf umgerechnet 2,23 Milliarden Euro.

In diesem Zusammenhang wirkt der Streit in Deutschland zwischen privaten Verlagen und öffentlich-rechtlichen Sendern wie eine wenig zielführende Debatte. sportjournalist-Kolumnist Gregor Derichs hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass die eigentlichen Kontrahenten der deutschen Medienakteure die aggressiv auf dem Markt operierenden US-Konzerne seien.

Clemens Gerlach

20.01.2018






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