Sehr gute Arbeitsbedingungen bei Olympia in Pyeongchang
Nicht nur die sportliche Bilanz der Leitung des Team D war positiv, auch die Journalisten fanden sehr gute Bedingungen vor: Dirk Schimmelpfennig, Veronika Rücker, Christian Ehrhoff, Fahnenträger der Schlussfeier, und DOSB-Präsident Alfons Hörmann (von links) (Foto: Michael Kreft/Bild)

Nix zu meckern!

So positiv die sportliche Bilanz des Team D ausfällt, so zufrieden sind auch die akkreditierten Journalisten mit den Bedingungen bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang. Die Gastgeber beeindruckten nicht nur mit ihrem Organisationstalent, sondern vor allem auch mit ihrer Freundlichkeit.

Von Ute Maag

Peter Ahrens von Spiegel online sagt: „Ich habe überhaupt nix zu meckern.“ Frank Hörmann von Sven Simon bilanziert: „Alles hat prima geklappt.“ Und für den Fotografen Laci Perenyi, der in Pyeonchchang seine zehnten Winterspiele erlebt, sind es gar die am besten organisierten aller Zeiten: „Noch vor Lillehammer!“ Und das will was heißen – die hochgelobten Spiele von 1994 ziehen die Altvorderen immer als Maßstab heran, wenn Arbeitsbedingungen zu vergleichen sind.

Ein Zuckerschlecken waren die Tage in Pyeongchang freilich nicht. Vor allem in der ersten Woche verlangten arktische Temperaturen und ein permanent blasender eisiger Wind den Journalisten alles ab – gerade denen, die sich beim Biathlon, Rodeln und Skispringen Abende und Nächte um die Ohren schlugen. Das IOC hatte bei seiner merkwürdigen Termingestaltung eher die europäischen und amerikanischen Fernsehmärkte im Sinn als die Zuschauer oder gar Berichterstatter vor Ort (Fotos: Ute Maag).

Anfängliche Transportprobleme, die lange Wartezeiten in der nächtlichen Kälte verursachten, bekamen die Organisatoren jedoch schnell in den Griff. In aller Regel fuhren Busse zuverlässig zur angekündigten Zeit, die Wege waren (verglichen mit den Spielen in Turin, Vancouver und auch Sotschi) kurz, so dass es diesmal keine strikte Trennung zwischen Berg und Tal gab. Fast alle Print- und Onlinejournalisten sowie Fotografen wohnten im Gangneung Media Village (GMV) an der Küste und konnten anders als bei vorangegangenen Spielen Sportstätten auch direkt von dort erreichen.

Ein WLAN-Netz für alle Bereiche

Allerdings war dadurch das Main Press Center (MPC), ohnehin suboptimal im Niemandsland gelegen, nicht der zentrale Ort dieser Olympischen Spiele. Und weil das International Broadcast Center (IBC) ungewöhnlich weit entfernt lag, waren längere Fußmärsche als sonst nötig, um die Bushaltestellen zu erreichen – ein Umstand, der vor allem den Fotografen zu schaffen machte.

Auch die Infrastruktur im MPC war nicht wie sonst: Eine große Mensa fehlte, charmant war allerdings das Angebot der „complimentary soups“, kostenloser Instant-Nudelsuppen, die man nur mit heißem Wasser aufgießen musste. Der riesige zentrale Arbeitsraum für Schreiber und Fotografen im MPC versprühte den Charme eines SED-Parteitagssaals. Jedoch gab es eine schöne und viel genutzte Alternative: die Arbeitsräume im GMV mit Tageslicht, großen Bildschirmen und meist himmlischer Ruhe, dank disziplinierter Kolleginnen und Kollegen.

Noch nie bei Olympischen Spielen war die Internet-Anbindung so gut, schnell und problemlos: Es gab ein (kostenloses!) WLAN-Netz mit ein- und demselben Passwort in allen olympischen Bereichen sowie ein weiteres in den Bussen. War man einmal angemeldet, loggten sich Geräte automatisch ein. Auch anfängliche Probleme mit VPN-Clients wurden schnell behoben. Nur in einigen Venues, zum Beispiel beim Eiskunstlauf und Eishockey, brachen Verbindungen bis zum Schluss regelmäßig zusammen.
 
Stressfreie Sicherheitskontrollen


Großes Lob verdienten sich die koreanischen Gastgeber auch beim Thema Sicherheit. Seit langer Zeit liefen Kontrollen nicht mehr so stressfrei und schnell ab wie in Pyeongchang. Warteschlangen gab es nirgends: Rucksack auf, Laptop und Smartphone raus, dann in voller Wintermontur durch eine Schleuse und dahinter alles wieder eingepackt – sehr unaufdringlich war die in der Vergangenheit oft zeitraubende Prozedur. Auch im Gangneung Media Village, einer nagelneuen Wohnanlage, waren nur die Zugänge zu den einzelnen Häusern festungsähnlich gesichert – mit Chipkarten, die ausschließlich für den eigenen Eingang galten.

Die Unterkunft für rund 6000 Olympia-Berichterstatter war funktional. Die Main Dining Hall befand sich in der zentralen Tiefgarage. Heimelig war das nicht, allerdings war das Frühstücksbüffet reichlich und sehr vielseitig; die mittags und abends angebotenen Gerichte waren ebenfalls schmackhaft und angenehm preiswert. Auch das war ein wohltuender Kontrast zu Rio und Sotchi.

Dass allerdings die Küchen in den Apartments penibel in Folie verpackt und nicht einmal eine Spüle, geschweige denn Geschirr und Besteck vorhanden waren, wurde von vielen zu Recht kritisiert. Und dass ausschließlich Einweggeschirr und -besteck verwendet wurde und die Müllberge sich türmten, konterkarierte die Idee der „Green Games“, die ja auch das IOC so gern propagiert.

Sympathische Eigenheiten bleiben im Gedächtnis

Was in Erinnerung bleiben wird, war – neben sportlichen Erfolgen, emotionalen Momenten und der bei fast allen Wettkämpfen eher gedimmten Olympia-Atmosphäre – die unglaubliche Freundlichkeit der Volunteers und Sicherheitskräfte, die auch bei minus 17 Grad Celsius noch lächelten, mehrheitlich zumindest einigermaßen Englisch sprachen, immer einen Weg zu suchen halfen und diesen meist sogar fanden.

Auch einige sympathische Eigenheiten prägten sich ins Gedächtnis ein: die Devise „Schuhe aus!“ beim Betreten des Apartments und anderer besonders schutzbedürftiger Räumlichkeiten; der Befehl, die Schuhe sauberzumachen, ehe man Schnee betritt. Und die Nachhilfe in Sachen Hand-Desinfektion, die nette Mädchen vor dem Frühstück gaben, indem sie die allgegenwärtigen Sprühflaschen gleich selbst auf die Hände der Hungrigen richteten – Widerstand war zwecklos. Erkältungen blieben zwar dennoch nicht aus, aber das Noro-Virus, mit dem die koreanischen Gastgeber sehr umsichtig, aber auch unaufgeregt umgingen, wurde so in Schach gehalten.

Neu und höchst sympathisch waren auch die Maßnahmen der Gastgeber, uns die koreanische Geschichte und Kultur nahezubringen: Vor dem Frühstücksraum gab es eine Bücherei mit koreanischer Literatur, die in alle möglichen Sprachen übersetzt war. Zum Ende der Spiele wurden die Bücher sogar verschenkt. Außerdem wurden verschiedene Tagesausflüge angeboten, zum Beispiel ein sehr spannender Trip in die entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea, die nicht einmal eineinhalb Busstunden entfernt vom Olympia-Ort ist.

Super Job des DOSB-Teams

Leider blieb viel zu wenig Zeit, diese Angebote auch zu nutzen, denn es waren lange und kräftezehrende Tage. Der Vorsprung der Vor-Ort-Berichterstatter durch die Zeitverschiebung wurde durch spätabendliche Entscheidungen und das Ausreizen von Redaktionsschlüssen aufgebraucht. Auch nach Arbeitstagen, die um zwei Uhr nachts oder später endeten, begann der Folgetag früh. Zu früh oft, wenn Medaillengewinner noch zu später Stunde im Deutschen Haus eintrafen und bereitwillig für Interviews zur Verfügung standen.

Der in der Vergangenheit oft verschlossen wirkende Treffpunkt war diesmal ein sehr offenes Haus. Journalisten wurden nach Anmeldung mit dem Shuttleservice am MPC abgeholt, der auch zu den täglichen Pressekonferenzen zur Verfügung stand. Und wer die Zeit für deren Besuch nicht hatte, konnte sie im Livestream übers Internet verfolgen. DOSB-Pressesprecherin Ulrike Spitz und ihr Team machten einen super Job, waren immer ansprechbar, tägliche Newsletter informierten zuverlässig – oft schon erstaunlich früh morgens.

Wenn man also ein gravierendes Problem dieser Olympischen Spiele in Pyeongchang benennen muss, das alle betraf, dann ist das: Schlafmangel.

25.02.2018






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