Forschung zu jüdischem Sport – Teil I
Kranz beim Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin (Foto: Fotoagentur Kunz/Augenklick)

Tageszeitungen als ergiebige Quelle

Historiker nutzen bei der Recherche über jüdischen Sport vor allem das klassische Print-Medium. Das ist allerdings nicht immer einfach.

Von Albert Mehl

Die abnehmende Bedeutung von Tageszeitungen in ihrer Druckversion wird Monat für Monat durch den Schwund an Abonnements und zurückgehende Verkäufe dokumentiert. Da ist es ein kleiner Trost zu wissen, dass Tageszeitungen andernorts einen großen Stellenwert haben. Denn Sporthistoriker, vornehmlich wenn sie sich mit dem jüdischen Sport in Deutschland beschäftigen, können bei ihren Recherchen gar nicht auf die Quelle Tageszeitung verzichten. Das hat die 11. Sporthistorische Konferenz in der Schwabenakademie Irsee erneut unter Beweis gestellt. Hier, vor den Toren Kaufbeurens, war der Sport in Deutschland durch Menschen jüdischer Herkunft das Thema.

Die Quellensituation kann nicht überraschen. Denn wo soll es sonst herkommen, das historische Material, aus dem sich Informationen über jüdisches Sporttreiben vornehmlich zwischen 1933 und 1938 sowie zwischen 1945 und 1949 herausfiltern lassen? Deutsche Ämter hatten keinen Grund, über einen mehr und mehr isolierten und schwindenden Bevölkerungsteil Informationen zu horten oder gar zu archivieren (Foto Gedenken im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz: GES-Sportfoto/Augenklick).

Vielmehr war oft die Devise, den jüdischen Teil am Sport in Deutschland vor 1933 aus den Annalen zu tilgen. Was sich als nicht einfach darstellte. Denn gerade im Fußball zeichneten sich viele Männer jüdischer Herkunft als Pioniere aus. Etwa Walter Bensemann, Julius Hirsch, Gottfried Fuchs, Simon Leiserowitsch oder Kurt Landauer, um nur einige wenige zu nennen.

Dazu passt, dass Henry Wahlig vom Deutschen Fußballmuseum in Dortmund festgestellt hat, dass der jüdische Sport bei (Sport-)Historikern über viele Jahrzehnte total vernachlässigt worden ist. Und wenn Dr. Markwart Herzog von der Schwabenakademie anmerkt, dass das Interesse von Sportvereinen an der Aufarbeitung dieses Themas „ein wahres Elend“ darstelle, so hat die Tagung gezeigt, dass bereits wichtige Basisarbeit geleistet wurde und wird.

Doch zurück zur Quellenlage der Jahre nach 1933. Die ist angesichts der Umstände stark eingeschränkt. Bei den Betroffenen stand im Vordergrund, die noch verbliebenen Möglichkeiten der sportlichen Betätigung zu ermöglichen und zu gewährleisten. Und als es dann mehr und mehr ums nackte Überleben ging, da war das Bewahren von Dokumenten zu eben jener Freizeitbeschäftigung Nebensache.

Wer flüchten konnte oder ins Konzentrationslager (und den mehr oder weniger sicheren Tod) geschickt wurde, der versuchte andere Sachen mitzunehmen als solche, die mit dem Sport zu tun hatten. Was noch vor Ort blieb, wurde meistens von den Nazis vernichtet.

Bleiben die Tageszeitungen. Darauf weist nicht nur Professor Lorenz Peiffer hin. Der emeritierte Sporthistoriker von der Universität Hannover hat sich intensiv mit dem jüdischen Sport nach 1933 auseinandergesetzt. „Unsere Quellen sind in erster Linie die Berichterstattung in den deutsch-jüdischen Tageszeitungen“, sagt er, „Zeitungsberichte stellten eine zentrale Quelle dar.“

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Lesen Sie im zweiten und letzten Teil des Reports über die Forschung zu jüdischem Sport, welche Zeitungstitel für den Historiker besonders ergiebige Quellen sind.

17.08.2018






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