Hinter den Kulissen von Sky Sport
Sky-Moderator Sebastian Hellmann mit den Experten Lothar Matthäus und Christoph Metzelder (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Wucht und Würstchen

Sky Sport ist trotz starker Konkurrenz noch immer der Bundesligasender. Wie wird in Unterföhring gearbeitet? Christian Alexander Hoch hat sich das neue Sendezentrum angeschaut und interessante Beobachtungen gemacht.

Es begann 1991 mit Premiere, seit 2009 heißt es Sky. Die Berichterstattung über Fußball ist bis heute regelrecht explodiert. Insgesamt acht Stunden lang berichtet der Pay-TV-Sender am sogenannten „Super-Samstag“ über die Spiele der Bundesliga. Vor der laufenden Saison hat Sky seine Monopolstellung verloren. Mit Eurosport, DAZN und Amazon drängen neue Anbieter auf den Markt.
 
Samstagmorgen. München. Neun Uhr. Im VIP-Raum des neu gebauten Sky Sport HQ-Gebäudes wird gefrühstückt. Es gibt Brötchen, Aufschnitt und Vanille-Pudding. Matthias Schmidt, an diesem Tag Leiter der Sendung, berichtet Moderatorin Britta Hofmann vom Konzertbesuch am Vorabend. Unterdessen sitzt Moderator Sebastian Hellmann etwas abseits des Geschehens auf einer schwarzen Couch – Sendevorbereitung.
 
Denn soeben brachte Christian Streich den gesamten Ablauf durcheinander. Der Trainer des SC Freiburg wurde vor dem 25. Spieltag mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht (Foto Sky-Moderatorin Britta Hofmann und Franz Beckenbauer: firo sportphoto/Augenklick). Zudem soll der FC Arsenal an einer Verpflichtung Julian Nagelsmanns interessiert sein. Hellmann und die Sky-Redakteure gehen ihre Kontaktlisten durch, holen sich Einschätzungen zu den hartnäckigen Gerüchten von Funktionären und Beratern ein. Gemeinsam wird entschieden: Wann setzen wir das Thema, wie bereiten wir es journalistisch richtig auf?
 
„Über allem steht bei uns die journalistische Kompetenz“, sagt Schmidt, Teamleader der Bundesliga-Konferenz. „Kein Tor verpassen, mit den Leuten vor Ort sprechen, strittige Szenen aufklären und nachhaken. Das kann kein anderer so wie wir.“ Das würde laut Schmidt auch ein Blick auf die Experten in der Sendung untermauern.

Rekordnationalspieler und Weltmeister Lothar Matthäus, Christoph Metzelder, Ex-Profi von Real Madrid, und der ehemalige Fußballfunktionär Reiner Calmund bilden das Dreigestirn von Sky seit dieser Saison. „Da ist schon Wucht dahinter“, sagt Schmidt, „mit ihrer Meinungsstärke und dem, was die drei bei uns in der Sendung sagen, prägen sie auch die öffentliche Diskussion.“

Hektik, doch die spätere Übertragung läuft reibungslos
 
Inzwischen ist es halb zwölf. Die erste Probe steht an, doch noch läuft nicht alles wie geplant. Regisseur, Techniker und Redakteure kommunizieren miteinander und schmeißen mit Begriffen um sich, die kein Außenstehender versteht. „Platziere die Augmented-Grafik mal ein Stück weiter nach vorne“ oder „Nein, dann liegt die ja auf der SF-Schiene“, hallt es durch den Raum. Die zahlreichen Bildschirme flimmern. Hektik, doch die spätere Übertragung läuft reibungslos.
 
„Während einer achtstündigen Sendung muss ich unzählige Entscheidungen treffen. Was machst du, wenn der Interviewpartner zu spät kommt? Das ist ein Problem. Wir sind live, es gibt immer nur eine Chance“, beschreibt Schmidt die Szenerie (Foto Mikrofone mit Sky-Logo: firo sportphoto/Augenklick).
 
Während des Vorlaufs von 13.00 bis 15.15 Uhr müssen Hofmann und Hellmann immer auch die Anweisungen der Regie im Ohr berücksichtigen, während sie durch die Sendung führen. Sie reagieren spontan auf Aussagen der Gesprächspartner und feuern kleine Spitzen in Richtung der Experten ab, dabei haben sie immer auch Schmidt auf dem Ohr. Das bedeutet für das Moderatorenduo höchste Konzentration, mit der es durch den exakt geplanten Sendeablauf steuert. Doch diese Anspannung hinter den Kulissen bemerkt der Zuschauer nicht, beide sind echte Profis.
 
Ab 15.30 Uhr ist der stressigste Teil geschafft, die Spiele in der Fußball-Bundesliga laufen. Im VIP-Raum gibt es Currywurst und Baguette. Parallel zu den Geschehnissen auf den unterschiedlichen Plätzen laufen bei Sky schon die Vorbereitungen auf die kurze Halbzeitunterbrechung und das anschließende Topspiel. Um 21.00 Uhr ist dann Sendeschluss. Und ab da beginnt schon wieder die Vorbereitung auf das kommende Wochenende. Ein ewiger Kreislauf.

05.05.2018






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