Doping-Opfer-Hilfe e.V.
Nachwuchsturnerinnen beim DTV-Pokal 1988 in Halle (Foto: privat)

Antidoping-Preise an Anne Drescher, André Keil und Michael Reinsch

Der Antidoping-Preis 2018 des Vereins Doping-Opfer-Hilfe (DOH) geht an Anne Drescher, Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern. Den erstmals vergebenen Medienpreis erhalten André Keil und Michael Reinsch.

„Anne Drescher hat als Landesbeauftragte das Leidpotential der staatsgedopten DDR-Athleten mit echter Empathie wahrgenommen und daraufhin in ihrer ruhigen, beharrlichen Art in Mecklenburg-Vorpommern eine belastbare Hilfsstruktur aufgebaut“, heißt es in der Laudatio (Drescher-Foto: Helios Kliniken).

Und weiter: „Mit dieser Haltung ist sie im umkämpften Feld der Aufarbeitung des kriminellen DDR-Sports eine wichtige Anlaufstelle für viele Geschädigte geworden und darin absolut wegweisend. Ihre Arbeit sendet das Signal aus, dass auch dort viel möglich ist, wo Opfer ansonsten nur auf Abwehr stoßen.“

Vor gut zwei Jahren hatte der Landtag Mecklenburg-Vorpommerns beschlossen, das DDR-Doping in den ehemaligen Nordbezirken aufzuarbeiten und in der Behörde der Landesbeauftragten eine Anlaufstelle für Sportgeschädigte aufzubauen. Anne Drescher ist als Preisträgerin Nachfolgerin der russischen Whistleblowerin Julia Stepanowa, die den Preis 2016 erhielt.

Der Antidoping-Medienpreis des DOH wurde dieses Jahr erstmals vergeben. Er geht in André Keil und Michael Reinsch an zwei Mitglieder des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS). Auch diese Ehrungen erfolgen am 6. Dezember in Berlin, die Preise sind symbolisch mit jeweils 1500 Euro dotiert.

André Keil ist langjähriger Fernsehjournalist und Studioleiter im NDR-Landesfunkhaus Schwerin sowie 1. Vizepräsident des VDS (Keil-Foto: privat). Er habe nach Einschätzung des DOH durch seine Filme wie „Unterstützende Mittel – Das Trauma des DDR-Sports“ oder „Kindheit unter Qualen – Missbrauch im DDR-Leistungssport“ wesentlich dazu beigetragen, dass sich tausende Geschädigte in ihrer Not verstanden gefühlt haben und sich auf den Weg der Klärung begeben konnten.

Lobend heißt es weiter: „Seine Filme sind mittlerweile Standardwerke der DDR-Sport-Aufarbeitung. Fakten sind in ihnen Fakten, historische Wahrheit wird präzise herausgeschält, und bei aller Distanz gibt es in ihnen immer auch den herzklugen Blick für die Belange der Sportopfer.“  

Michael Reinsch ist seit fast 40 Jahren als Sportjournalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein kritischer Begleiter der nationalen und internationalen Sportszene. „Seine Stücke leben von seinem profunden Wissen, von einem langen Atem und sind wohltuend unzynisch“, stellt der DOH heraus. Reinsch erhält den Antidoping-Medienpreis für sein Lebenswerk (Reinsch-Foto: FAZ/Wolfgang Eilmes).

Der Verein Doping-Opfer-Hilfe wurde 1999 gegründet, Ines Geipel ist seit 2013 Vorsitzende. Der DOH unterstützt Doping-Opfer im Leistungssport. Geipel, eine ehemalige Weltklasse-Leichtathletin, lebt als Schriftstellerin und Professorin für Deutsche Verssprache an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin.

Für die Aufarbeitung des Zwangsdoping-Systems in der DDR, von dem sie selbst betroffen war, erhielt Geipel 2011 das Bundesverdienstkreuz. Die 57-Jährige geht für ihre Anliegen immer wieder an die Öffentlichkeit, so zum Beispiel Ende Oktober vergangenen Jahres bei einem Doping-Symposium in Schwerin. Der Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB) zeichnete Geipel für ihre Engagement im November 2017 mit dem Preis Das Goldene Band aus.

doh/vds

25.04.2018






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