TV-Bilanz der Bundesliga
Sky-Moderator Patrick Wasserziehr (r.) und Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Sky wächst, Sportschau schrumpft

Die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga wurden vor Beginn der vergangenen Saison neu gemischt. Sky kam mit den Veränderungen gut zurecht, die ARD-Sportschau hingegen verlor an Boden. Bei Eurosport gibt es keine klare Tendenz. Und nun könnte auch noch Amazon Gas geben.

Von Gregor Derichs

Bei der Bundesliga-Relegation bekamen es die Fußball-Interessierten noch einmal deutlich zu spüren: Die Fernsehlandschaft hat sich mit der vergangenen Saison tiefgreifend verändert. Wer für die K.o.-Spiele um die Erstklassigkeit, einem früheren Quotenbringer, bei den öffentlich-rechtlichen Sendern fahndete, blieb erfolglos.

Auch die Fußballfreunde, die ordentliches Geld an den Abosender Sky entrichten, schauten in die Röhre. Die Relegation lief live komplett nur bei Eurosport 2 beziehungsweise im Eurosport-Player. Mit welchem Erfolg? Unbekannt. Denn der Sender aus dem Discovery-Imperium gibt keine Zahlen bekannt. „Mit der Entwicklung der Nutzungszahlen sind wir sehr zufrieden“, hatte Susanne Aigner-Drews, Deutschland-Chefin von Discovery, zuvor lediglich im Ungefähren ihr Fazit zur Bundesliga-Saison mitgeteilt. Auch wird die Auskunft verweigert, wie viele Abonnenten den in der Startphase recht fehleranfälligen Player gebucht haben.

Das Verschwinden von immer mehr Live-Sport aus dem Free-TV und erwähnte Verschleierung sind Kennzeichen der neuen Fernsehlandschaft. Mit der Veröffentlichung der Zahlen würde sicherlich sehr deutlich, dass sich die hohen Investitionen für die Übertragungsrechte in manchen Fällen – nicht nur für Eurosport – kaum rechnen.

Es geht aktuell wohl gar nicht darum, möglichst viele Zuschauer anzuziehen, sondern um das strategische Ziel, sich einen Platz im am härtesten umkämpften TV-Markt zu sichern. Das wäre auch eine Erklärung dafür, dass die Freitags- und Montagsspiele der Bundesliga, deren Rechte bei Eurosport liegen, weiterhin nicht über Sky zusätzlich zu bestellen sind, obwohl die beiden Sender eigentlich seit Jahren kooperieren.

Ein winziger Marktanteil, der für die Werbebranche uninteressant ist

Auch für die Klubs wird es gegenüber Sponsoren viel schwieriger, ihre TV-Präsenz nachzuweisen. Für die 2. Liga ist ein bisher schönes Schaufenster trüb geworden. Das Montagsspiel war ein Highlight für Sport 1 und die Liga, Chefredakteur Dirc Seemann spricht von „einem echten Verlust“. Der Montagstermin hat nach dem Wechsel zu Sky ein viel kleineres Publikum.

Sport 1 kam früher auch mit den Hattrick-Zusammenfassungen auf rund 450.000 Zuschauer, der Nachfolger bei Sky Sport News HD ist davon sehr weit entfernt. Seitdem diese Höhepunkte am Freitag und Sonntag auch wieder bei Sport 1 laufen, waren es knapp 200.000 Zuschauer und ein winziger Marktanteil von 0,8 Prozent, der für die Werbebranche uninteressant ist.

Sky ist aber ein großer Gewinner der Saison, obwohl der Sender nicht mehr alle Livespiele exklusiv zeigt. Zu allen Anstoßzeiten wurden die Reichweiten ausgebaut. Das Topspiel am Samstagabend kam auf 40 Prozent mehr Zuschauer, der Zuspruch beim Sonntagsspiel um 15.30 Uhr stieg um 60 Prozent. An den Samstagen um 15.30 Uhr schauten gut 1,5 Millionen zu, was einer Steigerung gegenüber der Saison 2016/2017 um 20 Prozent entspricht. Am 34. Spieltag gab es mit 1,94 Millionen Zuschauern bei Einzelspielen und Konferenz einen Rekord. Nach vielen Jahren mit roten Zahlen für Sky, ehemals Premiere, scheint das Abo-Fernsehen akzeptiert zu werden.

Die Sportschau der ARD verlor, was auf die noch größere Zersplitterung der Spieltage zurückgeführt wird (Foto Sportschau-Logo: ARD). Die einst von zehn Millionen Zuschauern angesteuerte Sendung erzielte mit allen neun Spielen am 34. Spieltag 5,07 Millionen Zuschauer. Das Sportstudio des ZDF kam an Spieltagen auf durchschnittlich 2,25 Millionen Zuschauer und sprach von einer „erfreulichen Resonanz“.

Ein neuer Fußballsender im Free-TV war der RTL-Ableger Nitro, allerdings wurde die Sendung 100% Bundesliga kaum wahrgenommen. Nächste Saison dürfte Nitro mit der Europa League populärer werden. Unbekannt wie bei Eurosport blieb die Höhe des Zuspruchs bei Amazon, das als Newcomer alle Spiele der beiden höchsten Spielklassen im Audio-Streaming übertrug. Amazon, das Apple kürzlich als weltweit wertvollstes Unternehmen überholte, bereitet sich mit dem Internet-Radio wohl nur darauf vor, bald das TV-Geschäft der Bundesliga aufzumischen.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Juni/Juli 2018 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

17.07.2018






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