European Championships – Teil I
Turnerinnen im Wettkampf (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

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Sieben Europameisterschaften, zwei Austragungsorte, eine Hoffnung: Vom 2. bis 12. August finden in Glasgow und Berlin erstmals die European Championships statt. Die Verbände treibt der Wunsch nach medialer Aufmerksamkeit. Das große Vorbild ist der Wintersport.

Von Julia Nikoleit

In der kalten Jahreszeit richten sich die Blicke vieler Protagonisten der Sommersportarten stets ein wenig neidisch auf die TV-Präsenz der Wintersportler. Biathlon, Skispringen und Ski alpin füllen das Programm von ARD und ZDF, die öffentlich-rechtlichen Sender übertragen bis zu zwölf Stunden am Tag. Nun soll eine solche mediale Aufmerksamkeit auch im Sommer Wirklichkeit werden: Die European Championships wollen die Nischensportarten als gemeinsames Produkt auf die Bildschirme befördern.
 
Höhepunkt des neuen Multi-Sport-Events, das 2018 erstmals stattfindet, ist die Leichtathletik-EM in Berlin (7. bis 12. August). Die europäischen Titelkämpfe im Turnen, Schwimmen, Rudern, Triathlon, Radsport und Golf werden zwischen dem 2. und 12. August in Glasgow ausgetragen. Die European Broadcasting Union (EBU) hat die Rechte mit Erfolg vergeben: Während in Deutschland ARD und ZDF das Event zeigen, werden auch in Großbritannien (BBC), Italien (RAI), Spanien (TVE) und Frankreich (France Télévision) die großen Sender übertragen.
 
ARD und ZDF planen eine tägliche Übertragung aus Glasgow und Berlin mit bis zu 13 Stunden Live-Berichterstattung – Werte, die für Freude bei den jeweiligen Verbänden sorgen. „Jetzt haben wir das, was wir lange wollten“, zeigt sich Mario Woldt, Sportdirektor des Deutschen Ruderverbands, begeistert. Die European Championships böten „eine hervorragende Möglichkeit“, sagt er: „Dass die öffentlich-rechtlichen Sender komplett übertragen, hilft unserer Sportart, weil sie sich präsentieren kann.“
 
Auch Woldt weiß um die Vorbildfunktion des Wintersports. Dieser schaffe es „bereits sehr gut, Wochenenden gemeinsam zu gestalten, das fehlt in dieser Form im Sommer“, sagt der Ruderfunktionär, „ARD und ZDF haben immer wieder gefordert: Einigt euch. Dieses Event ist jetzt ein erster Aufschlag.“
 
Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) setzt man gleichfalls Hoffnungen in das neue Produkt. „Die European Championships sind ohne Frage ein sehr interessantes Projekt, das wir aufmerksam verfolgen werden“, verspricht Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport beim DOSB: „Das Interesse der Medien, gerade von ARD und ZDF, ist ein wichtiger Faktor.“

Ein Punkt, der dabei gerade in Deutschland eine Rolle spielt: Einen (Sende-)Platz neben dem allgegenwärtigen Fußball zu finden. „Der Wintersport hat den Vorteil, dass – zumindest aus deutscher Sicht – Winterpause ist“, stellt Woldt lakonisch fest, „im Sommer konkurrieren viele Sportarten und der Fußball miteinander.“ Schimmelpfennig sieht ebenfalls das Problem: „Es geht dabei sicherlich auch darum, ein interessantes Sportereignis über den Fußball hinaus anzubieten.“

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe August/September 2018 des sportjournalist. Mitglieder des VDS erhalten das alle zwei Monate erscheinende Magazin automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben. Ein Jahresabo oder einzelne Hefte können Nicht-Mitglieder direkt beim Meyer & Meyer Verlag erwerben. Lesen Sie im zweiten und letzten Teil des Reports über die European Championships, weshalb das neue Format nicht ohne Risiko ist.

31.07.2018






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