Herausforderungen für Sportjournalismus – Teil III
Sami Khedira und Journalisten im deutschen WM-Trainingslager (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

Mit klarer Haltung kann sich kritische Berichterstattung durchsetzen

Der Sportjournalismus ist bedroht. Viele Vereine und Verbände agieren wie Medienhäuser. Doch sich ins Bockshorn jagen zu lassen wäre die falsche Devise. Unabhängigkeit ist eine Qualität, die sich auszahlen kann.

Von Thorsten Poppe

Im ersten Teil des dreiteiligen Reports über die Herausforderungen für den Sportjournalismus ging es um die immer stärker werdende Tendenz, dass sich Spitzensportler, in diesem Fall Fußballer, abschotten und Medienvertreter als störendes Beiwerk empfinden. Der zweite Teil widmete sich dem Problem der immer unkritischer werdenden Berichterstattung. Medienvertreter werden als störendes Beiwerk empfunden und auch so behandelt. Viele lassen sich dies gefallen.

Für Professor Thomas Schierl, Leiter des Instituts für Kommunikations- und Medienforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, ist dies eine fatale Entwicklung. Es traue sich kaum noch jemand, einen Spitzensportler oder Funktionär hart anzugreifen. Denn der Spitzensport steuere über seine Gunst genau, wie Journalisten sich zu verhalten hätten. „Unliebsame Journalisten kann man im Sport komplett aushungern, und das wird auch ganz konsequent gemacht.”
 
Sportjournalist Hermann Kewitz erlebte dies, als er im Frühjahr kritisch über die Füchse Duisburg berichtete und ein Hallenverbot seitens des Eishockey-Vereins kassierte. Kewitz wollte über das Versäumnis der Füchse berichten, sich die Rechte am eigenen Logo zu sichern. Ein Rechtsanwalt aus Hannover war schneller gewesen und forderte als Rechteinhaber Geld vom Klub.

In einem Recherchetelefonat mit Füchse-Geschäftsführer Sebastian Uckermann sei ihm die Berichterstattung untersagt worden, kritisierte Kewitz im WDR. Der Verein wies diese Darstellung damals zurück. Uckermann erwiderte ebenfalls im WDR, er habe lediglich darum gebeten, dass die Geschichte zu einem anderen Zeitpunkt veröffentlicht werde. Er bestätigte aber, gegen den Kollegen ein Hallenverbot ausgesprochen zu haben, als Kewitz nicht nachgegeben habe.
 
Die beiden Auftraggeber von Kewitz, Eishockey News und Neue Ruhr Zeitung (NRZ), stellten sich hinter den Kollegen und sprachen von einem Angriff auf die Pressefreiheit. NRZ-Sportchef Dirk Retzlaff sagte: „Es kann nicht sein, dass ein Verein einen Journalisten, der nicht so schreibt, wie der Verein es möchte, den Zutritt zu seiner Sportveranstaltung verwehrt.“ Er kündigte an, dass Kewitz weiterhin über die Situation bei den Füchsen berichten werde. Damit wolle man ein Zeichen setzen – gegen den willkürlichen Ausschluss eines Journalisten.

Dieses Beispiel zeigt: Mit klarer Haltung kann sich kritischer Sportjournalismus auch durchsetzen. Mit breiter Brust aufzulaufen sollten wir im Hinterkopf behalten, um unserer Rolle gerecht zu werden. Sind wir Berichterstatter doch meist länger im Amt als jeder Trainer oder Manager. Tun wir das nicht, läuft der Sportjournalismus Gefahr, sich zu sehr auf die kommerzialisierten Sportarten zu konzentrieren und dabei mehr zu unterhalten als zu berichten.

Wir dürfen die gesellschaftliche Bedeutung des Sports nicht aus den Augen verlieren, das hat spätestens die Debatte um Mesut Özil, die Erdogan-Fotos, den DFB und die danach aufgekommene Rassismus-Debatte nachdrücklich gezeigt (Özil-Foto: GES-Sportfoto/Augenklick). Der Sportjournalismus muss dabei mehr an seinen eigenen Kriterien festhalten: den Sport auf den verschiedenen Ebenen kritisch und unabhängig begleiten, um nicht Teil einer PR-Maschinerie zu sein.

Dazu sollten die Redaktionen standhaft bleiben, wenn es mal Ärger gibt bei einer sauber recherchierten Geschichte, die dem Objekt der Berichterstattung nicht passt. Das ist und bleibt die Herausforderung unseres Berufsfeldes.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Oktober/November 2018 des sportjournalist. Hier geht es zur Bestellung des Einzelheftes beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

07.12.2018






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