Verbandsrat in Frankfurt
VDS-Präsident Erich Laaser (vorne) und Vizepräsident André Keil (Mitte) (Foto: Wolfgang Rattay)

VDS stellt Weichen für die Zukunft

Es sind arbeitsreiche Zeiten für den VDS und seine 20 Regionalvereine: Eine Arbeitsgruppe „Zukunft“ ist gegründet, eine Anlaufstelle für Fragen der Chancengleichheit auf den Weg gebracht und das bisherige Modell der Ausrichtung der Hauptversammlung steht auf dem Prüfstand.

Von Susanne Fetter

Einen kleinen Seitenhieb auf die sportlich gerade eher missliche Lage des Gastgebers konnte sich Erich Laaser nicht verkneifen. „Haben Sie schon bei Jupp Heynckes angerufen?“, fragte der Präsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten den Mediendirektor des Deutschen Fußball-Bundes. Ralf Köttker nahm die kleine Frotzelei mit einem Lächeln hin, ehe er die Vertreter der Regionalvereine des VDS in Frankfurt begrüßte (Köttker-Foto unten: Wolfgang Rattay). Nachdem im vergangenen Jahr die Deutsche Fußball Liga als Gastgeber des VDS-Verbandsrats fungierte, fand die Sitzung, bei der nur der Regionalverein Sachsen unentschuldigt fehlte, diesmal an der Otto-Fleck-Schneise statt.

Und dort wurde vor allem eines deutlich: Der Dachverband der deutschen Sportjournalisten und seine regionalen Ableger kämpfen mit den gleichen Problemen wie ganz normale Sportvereine. Wer will sich noch im Ehrenamt engagieren? Wie gelingt eine Verjüngung der Vereine und ihrer Vorstände? Wie sind Mitglieder bei ständig steigendem Druck im Arbeitsleben zu mobilisieren? Diese Fragen standen im Zentrum der vierstündigen Sitzung.

Das Präsidium des VDS will den Herausforderungen gut vorbereitet begegnen und hat zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe unter dem Namen „Zukunft“ ins Leben gerufen, wie Laaser in seinem Bericht für das gesamte Gremium sagte. Ziel: Das Ehrenamt soll attraktiver für nachfolgende Generationen gemacht werden. „Darüber müssen wir uns jetzt einen Kopf machen“, appellierte Vizepräsident André Keil. Vizepräsidentin Elisabeth Schlammerl ergänzte mit Blick auf den hohen Aufwand, den vor allem das Amt des Präsidenten mit sich bringe: „Es ist nicht Sinn und Zweck der Sache, dass es nur noch einer ausüben kann, der nicht mehr im Berufsleben steht.“

Soll die Hauptversammlung an einem zentralen Ort stattfinden?

Die Arbeitsgruppe, der neben Laaser, Keil und Schlammerl auch VDS-Anwalt Dirk Feldmann angehört, setzt sich daher unter anderem mit der Frage auseinander, ob künftig eine, so Laaser, „kleine Aufwandsentschädigung“ für das Führungsgremium angemessen sei. Bei der nächsten Verbandsratssitzung in einem Jahr sollen den Delegierten der Regionalvereine Ergebnisse präsentiert werden. Sollte eine Satzungsänderung nötig sein, könne diese bei der Hauptversammlung 2020 umgesetzt werden.

Wo diese stattfindet, steht noch nicht fest. Franz Neuhäuser, Vorsitzender des Vereins Augsburg-Allgäuer Sportpresse, der kurzfristig eingesprungen war, um im März 2018 die Jahreshauptversammlung des VDS mit dem Gala-Abend der Verleihung der Preise in den VDS-Berufswettbewerben auszurichten, wandte sich in einer Mail an den Vorstand. Er fragte: Warum nicht einen zentralen Ort für diese Veranstaltung suchen, um Energien zu bündeln, Kosten zu sparen und verlässliche Partner in der Ausrichtung zu finden? Neuhäusers Vorschlag fand überwiegend positives Gehör. Äußerst aufwendig ist die Organisation dieser jährlichen Veranstaltung mittlerweile für viele Regionalvereine. Schwierig ist die Sponsorensuche, hoch der personelle Aufwand, schwer zu stemmen im redaktionellen Alltag. Das Präsidium will die Umsetzbarkeit prüfen.

Und, es will erneut kandidieren. „In voller Mannschaftsstärke“, so Laaser, wolle man beim Wahlkongress am 24. und 25. März 2019 in Berlin antreten – mit einer Ausnahme. Für Beisitzer Andreas Dach ist nach zwei Jahren aus persönlichen Gründen schon wieder Schluss (Dach-Foto: Wolfgang Weihs).

„Das hat nichts mit der Arbeit im Präsidium zu tun, die sehr harmonisch ist. Es lohnt sich, für den VDS und im Präsidium zu arbeiten. Aber wenn ich etwas mache, dann nur mit vollem Einsatz“, erklärte der Ressortleiter Lokalsport des Remscheider General-Anzeigers. Auch aus dem Vorstand des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten will er sich zurückziehen. „Da bin ich viele Jahre aktiv. Das zeigt, dass ich auch Langstrecke kann“, betonte Dach.

Seine Stelle könne laut Laaser traditionell wieder mit einem Kollegen besetzt werden, der eine Verbindung zum Lokalsport hat. Ob aus dem Print- oder Onlinebereich – „beides ist möglich“. Die Vereine forderte er auf, bis Weihnachten Vorschläge zu machen. Neu geschaffen werden soll eine Anlaufstelle zu Fragen der Chancengleichheit im VDS. In der Oktober-Ausgabe des sportjournalist war ein Bericht über die „#MeToo-Debatte“ erschienen. Die Resonanz darauf habe ihn zur Überlegung veranlasst, dass der VDS sich mit diesem Thema intensiver befassen sollte, erklärte Laaser.

Im November 2019 VDS-Filmfest in Hamburg

Eine Neuerung, die bereits feststeht, verkündete er ebenfalls. Im November 2019 wird es erstmals ein VDS-Filmfest geben. „Wir haben jedes Jahr gute Beiträge beim TV-Preis des VDS“, betonte Laaser. Diesen soll das Filmfest ein Forum bieten. „Mit dem NDR wurde ein Partner gefunden“, berichtete Laaser. Ort der Veranstaltung soll Hamburg sein.

Apropos Neuerung. In den Berichten der Regionalvereine zeigte sich, dass sich viele mit ähnlichen Themen befassen. Einige haben bereits eine Verjüngung in ihren Vorständen vollzogen, anderen steht dieser Schritt noch bevor. Die Problematik dabei fasste Hanns Ostermann vom Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg zusammen: „Nachwuchs für das Ehrenamt zu finden ist extrem schwer.“ Eine Erkenntnis, die die Sportjournalisten mit vielen teilen, über die sie sonst berichten.

18.10.2018






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