Fair Play Preis des Deutschen Sports 2018
Lauchringer Preisträger (von links): Tobias Kummer (Mannschaftskapitän), Carmine Caminaro (Trainer), Kebba Manneh (Spieler) und Thomas Kummer (1. Vorsitzender) (Foto: DOSB)

Tränen der Rührung

Den vom Deutschen Olympischen Sportbund und dem Verband Deutscher Sportjournalisten ausgelobten Fair Play Preis des Deutschen Sports haben der Triathlet Manuel Retzbach und die Fußballer des SC Lauchringen erhalten. Einer der SCL-Spieler war bei der feierlichen Ehrung im Schloss Biebrich besonders gerührt – er muss Deutschland erst einmal nicht verlassen.

Von Albert Mehl

Kebbah Manneh rollten die Tränen über die Wangen. So wie ein halbes Jahr zuvor im südbadischen Weizen. Seinerzeit war der begeisterte Fußballer des SC Lauchringen in einer Kreisliga-Partie von gegnerischen Zuschauern rassistisch beleidigt worden. Er heulte daraufhin aus Ärger und Verzweiflung. Diesmal waren es Tränen der Rührung. Denn seine Mannschaftskollegen hatten nach dem Vorfall das Spielfeld verlassen und mit dem Spielabbruch eine 1:4-Niederlage akzeptiert.
 
Für ihr Verhalten waren die Lauchringer Kicker im Schloss Biebrich mit dem „Sonderpreis“ des Fair Play Preises des Deutschen Sports ausgezeichnet worden (Foto: Deutsche Olympische Akademie). Dieser wird vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) gestiftet.

„Als Kebbah da gestanden und geheult hat, habe ich dem Schiedsrichter gesagt, dass wir einen Moment brauchen, um uns zu besprechen“, berichtete Mannschaftskapitän Tobias Kummer in der prächtigen Rotunde des Schlosses Biebrich, in dem die Verleihung erfolgte. „Wir haben uns kurz besprochen. Dann habe ich dem Schiedsrichter gesagt, dass wir das Spiel abbrechen.“
 
Sein Vater Thomas Kummer, gleichzeitig Vorsitzender des SC Lauchringen, bekräftigte die Entscheidung. „Der Mensch braucht Haltung. Diese Haltung hat die Mannschaft bewiesen.“ Laudator Cacau, Integrationsbeauftragter des DFB, lobte das Team: „Ich finde es super, dass Ihr den Mut gezeigt habt, ihm zur Seite zu stehen. Und es ist wichtig, über die Opfer zu berichten, nicht über die Täter.“
 
Kummer senior blickte vor den geladenen Gästen aus Sport und Politik weiter. „Vielleicht haben wir einige in der Republik wachgerüttelt.“ Denn der Vorfall hat in den vergangenen Wochen und Monaten ein erhebliches Medienecho erfahren. „Ich bin stolz darauf, dass wir einiges bewirkt haben.“
 
Damit traf er die vom Juryvorsitzenden Manfred Lämmer vorab geäußerte Begründung zur Vergabe des Fair Play Preises. „Es geht um die Glaubwürdigkeit des Sports“, wies der Sporthistoriker darauf hin, dass dieser auch von der Akzeptanz der olympischen Werte und Ideale abhänge.
 
Interessant ist, was auch die Berichterstattung im Fall Manneh bewirkte. Denn wie Lauchringens Bürgermeister Thomas Schäuble erzählte, ist der 21 Jahre alte Gambier derzeit als Asylbewerber nur geduldet. Aber auf eine Initiative der beiden Bundestagsabgeordneten vor Ort gibt es jetzt eine Neuregelung in Baden-Württemberg.
 
Asylbewerber, die länger als zwei Jahre privatversicherungspflichtig arbeiten, erhalten ein Bleiberecht. Dies trifft auf Manneh zu. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie ist für mich wie eine Familie“, fasste Kebbah Manneh seine Gefühlslage in Biebrich zusammen. Unter Tränen der Freude.
 
Bei der feierlichen Veranstaltung in Wiesbaden erhielt der Triathlet Manuel Retzbach den Preis in der Kategorie „Sport“ (Foto: DOSB). Er hatte bei einem Triathlon-Wettkampf in Blankenloch als einziger Teilnehmer angehalten, als ein anderer Starter, der ehemalige Weltklasse-Athlet Matthias Klumpp, nach einem Sturz auf dem Boden lag.
 
Retzbach kümmerte sich rund eine Viertelstunde um den Schwerverletzten, nahm anschließend den Wettkampf wieder auf – und rollte als Letzter ins Ziel. „Es war für mich klar, dass man da etwas machen muss. Ich habe intuitiv gehandelt“, berichtete der geehrte Triathlet.

Dieser Artikel erschien zuerst im Gießener Anzeiger. Wir danken den Kollegen für die großzügige Überlassung des Textes.

01.04.2019






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