Studie zu Dopingberichterstattung – Teil I
Dopingkontrolle in deutschem Fußballstadion (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Wenig Interesse und geringe Strahlkraft

Die Ergebnisse der Studie „Wissen und Einstellungen von Sportjournalisten in Deutschland zum Thema Doping und Dopingberichterstattung“ sind eindeutig. Laut TU München tun sich Medienleute sehr schwer mit dem komplexen Bereich.

Die Autoren Prof. Dr. Michael Schaffrath, Dr. Thorsten Schulz, Dr. Fabian Kautz und Nils Olson sind wissenschaftliche Mitarbeiter an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der TU München. Sie haben die Replikationsstudie „Wissen und Einstellungen von Sportjournalisten in Deutschland zum Thema Doping und
Dopingberichterstattung“ durchgeführt.


Das Dopinggeständnis des ehemaligen österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr in der ARD-Dokumentation „Die Gier nach Gold“ löste im Januar vergangenen Jahres die „Operation Aderlass“ aus. Im Mittelpunkt des Skandals steht ein Erfurter Sportmediziner.

Wieder einmal konnte ein skandalöses Dopingvergehen aufgrund medialer Recherchearbeit und Berichterstattung aufgedeckt werden. Die normative Kritik- und Kontrollfunktion des Journalismus scheint also zu funktionieren. Und die VDS-Leitlinie, nach der sich Sportjournalisten für einen von Doping freien Sport einsetzen, ebenfalls.
 
Aber am Anti-Doping-Kampf können sich nur wenige Sportjournalisten beteiligen, wie VDS-Mitglieder in der Befragung angeben. Die Studie wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) gefördert und vom VDS unterstützt.

Gute Rücklaufquote bei Online-Umfrage
 
Die Datenerhebung erfolgte als Online-Umfrage. 3415 VDS-Mitglieder wurden um ihre Teilnahme gebeten. Die Aussendung der Fragebögen übernahm aus datenschutzrechtlichen Gründen der VDS. Neben dessen Mitgliedern wurden noch zehn Journalisten des ehemaligen Sportnetzwerkes angeschrieben.
 
Der Fragebogen umfasste je nach Filterführung 37 Fragen. Die durchschnittliche Beantwortungszeit lag bei etwa 20 Minuten. Die Feldphase erfolgte zwischen dem 17. Oktober 2018 und dem 4. Februar 2019.

Von den angeschriebenen Sportjournalisten nahmen 906 an der Umfrage teil. Dies entspricht einer guten Rücklaufquote von 26,5 Prozent. Bezüglich der Variablen „Geschlecht“ und „Alter“ ist die Untersuchung repräsentativ für die Mitglieder des VDS (Abbildung: TU München).

In Deutschland ist die Zahl der über Doping berichtenden Sportjournalisten zum einen sehr gering und zum anderen in den vergangenen sechs Jahren auch noch leicht zurückgegangen.

Während bei der Befragung 2012/2013 noch 4,1 Prozent angaben, in den vergangenen zwölf Monaten mehr als zehn Beiträge zum Thema Doping publiziert zu haben, sind dies 2018/2019 nicht mehr als 3,5 Prozent.

Dopingrecherchen werden als zu zeit- und zu kostenintensiv eingestuft
 
Die Mehrheit der Befragten (rund 62 Prozent) veröffentlicht nichts zum Thema Doping. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Mehr als die Hälfte der Befragten konzediert, sich „nicht kompetent“ und „nicht ausreichend für diese Thematik ausgebildet“ zu fühlen.

Hinzu kommt, dass Dopingrecherchen vor allem als zu zeit- und zu kostenintensiv eingestuft werden, was 47 Prozent bzw. 32 Prozent nennen. Das Risiko möglicher juristischer Konsequenzen erscheint demgegenüber nur rund 20 Prozent zu groß. Und ein grundsätzliches Desinteresse am Thema Doping artikulieren gerade einmal 19 Prozent.

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28.04.2020






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