Bilanz der Leichtathletik-WM
Verkehrsschild in Katar (Foto: Andreas Kornes)

„Katar war ganz speziell“

Für die Augsburger Allgemeine war Andreas Kornes bei der Leichtathletik-WM in Katar. Was der Sportredakteur erlebte, schilderte er zuerst auf der Facebook-Seite des Vereins Augsburg-Allgäuer Sportpresse und nun auch auf sportjournalist.de.

Es war eine ganz spezielle WM. Das lässt sich zweifelsfrei sagen. In der Wüste von Katar hatten sich vom 27. September bis 6. Oktober 2019 die besten Leichtathleten der Welt versammelt. Dort ist es selbst zu dieser eher späten Jahreszeit noch unerträglich heiß, dazu kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit.

Für sportliche Aktivitäten sicherlich nicht das ideale Umfeld. Das gilt, so dachten alle, auch für die dort arbeitenden Journalisten. Nicht nur die Wettervorhersage, auch die politischen Umstände ließen den ein oder anderen mit einem eher unguten Gefühl nach Katar reisen (Kornes-Foto: Augsburger Allgemeine/Ulrich Wagner).

Das kleine Land auf einer Halbinsel im Persischen Golf ist politisch ziemlich genau das Gegenteil einer freien Demokratie. Tamim bin Hamad Al Thani, der Emir von Katar, hat 2013 die absolute Macht von seinem Vater übernommen. Es gibt keine Instanz, die ihn und seine Familie kontrollieren oder deren Entscheidungen beeinflussen könnte.

Pressefreiheit zählt nicht zu den Herzensangelegenheiten des Emirs. Die weltweite Berichterstattung über die verheerenden Bedingungen, unter denen tausende Gastarbeiter die Stadien für die Fußball-WM 2022 bauen, dürfte nicht dazu beigetragen haben, daran etwas zu ändern.

Bemerkbar machte sich das in der Arbeit während der Leichtathletik-WM, um deren Vergabe sich zahlreiche Schmiergeldgerüchte ranken, vor Ort nicht. Natürlich weiß niemand, ob und welche Daten auf den Handys, iPads und Laptops mitgelesen wurden.

Blickdichte Mauer oder Schranke samt Wachpersonal

Die journalistische Arbeit wurde jedoch in keinster Weise eingeschränkt. Wer jedoch mit einem ortskundigen Fahrer starten und sich selbst ein Bild von den Baustellen rund um die Fußball-WM-Stadien machen wollte (und nicht während der offiziellen Besichtigungstour), landete meist früher als später an einer blickdichten Mauer oder einer Schranke samt Wachpersonal.

Die Wüstenhitze bekamen die Katarer mit Hilfe einer gigantischen Klimaanlage im Khalifa-Stadion von Doha unter Kontrolle. Das mag mit Blick auf die Ökobilanz verheerend sein, bescherte aber den Sportlern und Zuschauern erträgliche Bedingungen. Meist herrschten angenehme 26 Grad (Logo: Verein Augsburg-Allgäuer Sportpresse).

Alles perfekt also? Bei weitem nicht. 300.000 Katarer und 2,4 Millionen Gastarbeiter im Land interessieren sich kein bisschen für Leichtathletik. Anfangs herrschte deshalb gähnende Leere im Stadion. Das internationale Medienecho war verheerend. Also karrten die Organisatoren am letzten Wochenende tausende Freiwillige mit Bussen ins Stadion und schufen so doch noch einen ansehnlichen Rahmen.

Zumindest organisatorisch hat rund um die Leichtathletik-WM alles perfekt funktioniert. Und bis 2022 werden die Katarer mit vielen Milliarden Dollar auch alle acht Fußball-Stadien fertig haben. Die Metro wird fahren, die Hotels werden bezugsfertig sein, Journalisten werden störungsfrei arbeiten dürfen. Und angeblich gibt es im Land sogar einige, die sich für Fußball interessieren.

Ein großer Dank gebührt unserem Kollegen Andreas Kornes dafür, dass wir seinen Text nutzen dürfen. Auf der Facebook-Seite des Vereins Augsburg-Allgäuer Sportpresse, dem er angehört, gibt es eine längere Fassung. Dort finden Sie auch weitere Fotos aus Katar. Klicken Sie einfach hier.


28.10.2019






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