Frauenbild in der Fußballberichterstattung – Teil II
Spanische Fußball-Nationalspielerin bei der WM 2019 (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Fast keine geschlechtergerechten Bezeichnungen

Fußball ist eine männlich konnotierte Sportart. Das zeigt sich schon an der Sprache. Miriam Jagdmann hat in ihrer Bachelorarbeit am Institut für Journalistik der TU Dortmund untersucht, wie Frauen in der Berichterstattung über Fußball sprachlich dargestellt werden. Auf sportjournalist.de fasst sie ihre Erkenntnisse im zweiten und letzten Teil zusammen.

Miriam Jagdmann ist Master-Studentin im Studiengang „Gender Studies international“ an der Ruhr Universität Bochum. Ihren Bachelor hat sie im Fach Journalistik an der TU Dortmund absolviert. Auch nach ihrem Abschluss arbeitet sie dort weiter als Chefredakteurin des Campusradios eldoradio*. Wir danken den Kolleg*innen des European Journalism Observatory (EJO), Jagdmanns Zusammenfassung ihrer Bachelorarbeit für die Veröffentlichung auf sportjournalist.de übernehmen zu dürfen. Im ersten Teil ging es darum, dass vielen Medienschaffenden das Bewusstsein für das Geschlecht der Akteurinnen fehlt und die Berichterstattung entsprechend wenig differenziert ausfällt.

Dieser Eindruck wird auch durch weitere Ergebnisse verstärkt. So wurden fast keine geschlechtergerechten Bezeichnungen verwendet. Einige Male wurde zwar auf neutrale Nomen zurückgegriffen, diese scheinen aber eher als Synonyme verwendet worden zu sein, um Abwechselung in den Artikeln zu erzeugen.

Während die Ergebnisse zu Geschlechterstereotypen und Personenbezeichnungen ausschließlich eine Nicht-Beachtung des Geschlechts aufweisen, ist die Lage bei den Fachtermini nicht ganz so eindeutig: Hier wurde sowohl eine Nicht-Beachtung als auch eine Überbetonung des Geschlechts festgestellt (Jagdmann-Foto: privat).

Während Begriffe, bei denen nur die weibliche Endung -in angehängt werden muss, in die feminine Form umgewandelt wurden (zum Beispiel Stürmerin), wurden andere, männlich konnotierte Begriffe wie Mannschaft unverändert übernommen, statt diese durch weibliche oder geschlechtsneutrale Worte zu ergänzen (zum Beispiel Frauschaft oder Team).

Das Geschlecht wurde also nur teilweise zum Anlass genommen, die Sprache anzupassen. Außerdem gab es einige Fachtermini, die explizit auf das Geschlecht der Akteurinnen verwiesen – oftmals an Stellen, an denen dies eigentlich nicht notwendig gewesen wäre (zum Beispiel Frauen-Team). Das Geschlecht wurde hier somit überbetont. Dies war auch fast immer in Bezug auf die Bezeichnung der Sportart beziehungsweise der WM der Fall.

Darstellung des von Frauen gespielten Fußballs als Abweichung der Männervariante

Es wurde vielfach von „Frauenfußball“ und „Frauen-WM“ gesprochen. Somit wurde der von Frauen gespielte Fußball als Abweichung des von Männern gespielten Fußballs dargestellt: Frauen spielen keinen Fußball, sondern „Frauenfußball“, sie nehmen nicht an einer WM teil, sondern an einer „Frauen-WM“ und sie spielen in einer „Frauen-Nationalmannschaft“ oder sind ein „Frauen-Team“.

Auch wenn die Ergebnisse – aufgrund der Stichprobenwahl und- größe – nicht repräsentativ sind, so legt die Analyse der drei Medien die Vermutung nahe, dass Journalist*innen das Bewusstsein für das Geschlecht ihrer Protagonist*innen beziehungsweise für die Auswirkungen fehlt, die Sprache auf das gesellschaftliche Geschlechterbild hat. Insbesondere bezüglich der Berichterstattung über von Frauen gespielten Fußball sollten Journalist*innen zudem auch die geschichtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen kennen, da Sprache diese widerspiegelt und verfestigen kann (Logo: European Journalism Observatory).

Klar ist aber auch: Medienschaffende allein können das Bild von Frauen (im Fußball) nicht verändern. Die Verantwortung einer geschlechtergerechten beziehungsweise an das Geschlecht angepassten Sprache und Darstellung liegt ebenso bei Vereinen und Verbänden, der Werbeindustrie sowie den Frauen im Bereich des Fußballs selbst.
Außerdem sollten auch Wissenschaftler*innen, welche in diesem Bereich forschen, vermeiden, bestimmte sprachliche Muster zu (re-)produzieren. Schlussendlich kann nur ein Zusammenspiel aller Akteur*innen das Bild von Frauen (im Fußball) beeinflussen. Sprache ist dafür ein wichtiger Ausgangspunkt.

LITERATUR

Jagdmann, Miriam (2020): Spielt Geschlecht (k)eine Rolle? Die Darstellung von Akteurinnen in der Berichterstattung über die Fußball-WM der Frauen 2019 am Beispiel von Online-Artikeln von Bild, Kicker und FFussball-Magazin, unveröffentlichte Bachelorarbeit am Institut für Journalistik der TU Dortmund

Kunz, Kevin (2016): Das Spiel der Anderen – die Entwicklung der Berichterstattung zu Frauenfußball-Großturnieren seit der WM 2011 in Deutschland. In: Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien, 22(1), S. 49–63

Schöndorfer, Simone (2014): Darstellungsarten von Sportlerinnen in deutschen Tageszeitungen. Eine Untersuchung zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011. In: kommunikation.medien, 3, S. 1-14

Staudemeyer, Bettina (2018): Von Frauen gespielter Fußball – Medieninszenierungen seit 2011. In: Schweer, Martin K.W. (Hrsg.): Sexismus und Homophobie im Sport. Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 105–123

11.03.2021






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