Lebenswerk-Preisträger Hans-Joachim Leyenberg
Deutscher Sportjournalistenpreis 2021: Preisträger Hans-Joachim Leyenberg und Ehefrau (Foto: offenblende/Marc Metzler für Sören Bauer Events)

„Schreib weiter!“

Ein großer Sportjournalist wurde geehrt, ein großer Sportler hielt die Laudatio. Hans-Joachim Leyenberg erhielt beim Deutschen Sportjournalistenpreis 2021 vom Verband Deutscher Sportjournalisten die Auszeichnung für sein Lebenswerk. Eine sehr persönliche Würdigung des 1. VDS-Vizepräsidenten André Keil.

Als ich Hans-Joachim Leyenberg kennenlernte, war er längst eine „große Nummer“ im deutschen Sportjournalismus. Das war in den 1990er-Jahren, ich berichtete als junger Reporter für den ARD-Hörfunk von der Kieler Woche. Mich sprachen sein bescheidenes Auftreten und das Fehlen jeder Eitelkeit sofort an. Ehrlich gesagt, ist das in unserer Branche nicht so häufig zu finden.

Im Pressezentrum in Kiel-Schilksee tauchte Achim meist nur kurz auf. Er mischte sich viel lieber unter die tausenden Seglerinnen und Segler aus aller Welt; er suchte die Geschichten, er spürte sie regelrecht auf. Und das machte den Unterschied aus. Viele andere (auch ich) warteten darauf, dass die Geschichten zu ihnen „kamen“. Manchmal passierte das auch, aber unsere Storys reichten nie an Achims heran (Foto mit Laudator Wladimir Klitschko: offenblende/Marc Metzler für Sören Bauer Events).

Die lobenden Worte zur hochverdienten Ehrung im Hotel Grand Elysée Hamburg lieferte per Videobotschaft ein großer Athlet und häufiger Protagonist in Achim Leyenbergs Texten – Wladimir Klitschko. „Er versteht es wie kein anderer auf dem Papier zu erzählen, was auf dem Feld, auf dem Rasen, im Ring und auf dem Wasser passiert ist. Ley kennt sein Gebiet, er beherrscht es in Perfektion.“

Wladimir Klitschko weiß, wovon er da spricht, denn er konnte sich wie die vielen anderen Sportlerinnen und Sportler darauf verlassen, dass Achim in seinen Texten stets fair blieb, die Distanz behielt und immer versuchte, den Erfolg oder die Niederlage zu ergründen. Wladimir Klitschko wird sich dabei vielleicht an einen Weltmeisterschaftskampf in Las Vegas erinnern.

Am 10. April 2004 trat er im „Mandalay Bay Casino“ gegen den US-Amerikaner Lamon Brewster an. Vier Runden dominierte Wladimir Klitschko den Kampf, in der fünften brach er völlig überraschend ein und verlor durch Technischen K. o. (Leyenberg-Foto: offenblende/Marc Metzler für Sören Bauer Events).

Achim Leyenberg beschrieb in seinem Text, dass es hier um viel mehr ging als eine Niederlage. Er zeichnete ein Bild von Zerrissenheit und Druck, denn es ging um nicht weniger als Wladimir Klitschkos Karriere, seinen Beruf.

Eine Szene damals in Las Vegas werde ich nicht vergessen, noch vor dem Kampf. Das Pressezentrum war ein leergeräumter Ballsaal im „Mandalay Bay“, ein paar Tische, drum herum die Kolleginnen und Kollegen fast ein bisschen verloren. Plötzlich stand Don King mitten im Raum. Er schwenkte ein kleines Sternenbanner und rief irgendetwas, was uns zeigen sollte, dass er die Wiederwahl von George W. Bush unterstützen würde.

Achim hat gezeigt, was Sportjournalismus kann und wie er sein sollte

Der schillernde Promoter wollte den Kampf seines Schützlings Lamon Brewster anheizen. Wir nahmen wenig Notiz davon, ein kurzer O-Ton, mehr nicht. Nur Achim Leyenberg nahm sich die Zeit. Er sah diese erschreckende und doch faszinierende Ambivalenz in der Persönlichkeit dieses Mannes. Ich sah sie damals nicht. Ein paar Tage später erschien Achims großartiges Interview mit Don King in der FAZ. Ich war sehr beeindruckt.

Heutzutage redet niemand mehr über Vorbilder. Der Begriff scheint langsam einen archaischen Anstrich zu bekommen. Aber er beschreibt ziemlich genau das, was Achim Leyenberg als Sportjournalist ist. Achim hat gezeigt, was Sportjournalismus kann und wie er sein sollte. In seiner Laudatio rief Wladimir Klitschko Achim Leyenberg dann noch ein „Keep on writing!“ zu. „Schreib weiter!“ Das will ich doch sehr hoffen.

Der Deutsche Sportjournalistenpreis wird alle zwei Jahre vergeben. In den regulären Kategorien entschieden Deutschlands Spitzensportler*innen über die sportjournalistischen Topleistungen des vergangenen Jahres. Die Auszeichnung des vom VDS gewählten Preisträgers für das Lebenswerk erhielt Hans-Joachim Leyenberg, Mitglied des Vereins Frankfurter Sportpresse. 2019 war Gerd Rubenbauer ausgezeichnet worden, Ludger Schulze 2017 und bei der Premiere 2015 Dieter Adler.

06.07.2021






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