Flüchtlinge im Fußballverein

Kein Abseits für Asylbewerber

Derzeit kommen sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland. Fußballvereine können eine wichtige Rolle bei der Integration spielen.

Von Nora Reim

Flüchtlinge suchen in Deutschland nicht nur Asyl, sondern oftmals auch Zuflucht im Fußballverein. Das Spiel mit dem runden Leder kennen die meisten Asylbewerber aus ihrem Heimatland, viele bringen Kondition und Technik mit, manche haben vor ihrer Flucht gar eine Fußballschule besucht. Um auf dem Platz mitreden zu können, bedarf es keiner Deutschkenntnisse. Denn die Sprache des Fußballs versteht jeder – unabhängig von Herkunft und Hautfarbe.

Der Fall des Flüchtlingsfußballers Abdoulie Drammeh zeigt, wie Integration im Verein gelingen kann. Der Gambier ist 19 Jahre alt und verstärkt seit der Winterpause die Abwehr der TSG Young Boys Reutlingen. Dabei handelt es sich um einen jungen baden-württembergischen Landesligisten mit einer Multikulti-Mannschaft: Bosnier, Griechen, Italiener und Türken tragen neben deutschen Spielern das weiße Teamtrikot.

Drammeh entdeckte nach einer zweijährigen Flucht von Gambia über Libyen nach Italien zufällig das TSG-Stadion in der Nähe seines Reutlinger Flüchtlingsheims. Der Fußballplatz machte dem 19-Jährigen Mut und ließ ihn auf fremde Menschen zugehen – obwohl er kaum ein Wort Deutsch spricht, dafür fließend Englisch.

Flüchtlinge und Vereine – gegenseitige Bereicherung

Die Vereinsführung der Young Boys rüstete den Flüchtling mit neuen Fußballschuhen und Teambekleidung aus. Seitdem ist das Talent bei jedem Punktspiel gesetzt, darf selbst zu Auswärtspartien mitfahren. Denn der Asylbewerber hat einen Spielerpass – was ihm fehlt, ist eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.

Flüchtlingsfußballer und Vereine können sich wie im genannten Beispiel gegenseitig bereichern: Während die meisten Flüchtlinge im Heim „herumhängen“ und ihre Freizeit mit Kochen und Schlafen verbringen, geht Drammeh regelmäßig zum Training.

Teil einer Mannschaft zu sein, vermittelt ihm Anerkennung, Zugehörigkeitsgefühl und lässt ihn „die brutale Vergangenheit vergessen“, erklärt der Gambier. Außerdem schlägt sich seine sportliche Disziplin im Leben nieder: Er trinkt keinen Alkohol, feiert keine ausschweifenden Partys und geht ausgeruht ins Training. „Ich respektiere das Spiel“, sagt Drammeh.

DFB unterstützt Vereine, die Asylbewerber aufnehmen

Der Verein hat mit dem Flüchtling einen Spieler gewonnen, der sich ganz in den Dienst der Mannschaft stellt. Außerdem unterstützt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) jeden Amateurverein finanziell, der einen Asylbewerber aufnimmt: 500 Euro Starthilfe gibt es für die Flüchtlingsarbeit beim Förderprogramm „1:0 für ein Willkommen“.

Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Nationalmannschaft, der Beauftragten der Bundesregierung für Migration und der Egidius-Braun-Stiftung, das im vergangenen Mai ins Leben gerufen wurde. Wofür der jeweilige Verein die Finanzspritze verwendet, bleibt ihm überlassen – Hauptsache, es kommt dem Flüchtling zugute.
Ferner hat der DFB die Broschüre „Willkommen im Verein!“ mit Informationen zu Passbeantragung und Versicherungsschutz von Flüchtlingsspielern veröffentlicht.

Lesen Sie im morgen zweiten Teil des Flüchtlingsreports, unter welchen rechtlichen Bedingungen Asylbewerber in Vereinen Fußball spielen dürfen.

02.12.2015






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