Der Harald Stenger ist nicht klein zu kriegen, nicht von seinem Rücken, der winters außerhalb von saunaähnlichen Räumlichkeiten zuweilen zwickt, nicht vom Zahn der Zeit. Dazu bleibt einfach kein Raum, hier ist sein Rat gefragt, dort muss ein Projekt angeschoben, da soll eine Kolumne geschrieben sein, ein Interview gegeben werden. Das hat er immer gemacht: da zu sein, wach zu rütteln, anzustoßen, was bewegen, vielleicht auch: einem auf die Nerven gehen, um etwas zu erreichen. Er ist weiterhin, wie die Frankfurter Rundschau einmal über ihn schrieb, „eher Lokomotive als Anhänger.“ Weil er halt nach einer simplen Devise lebt: „Resignieren gibt’s nicht. Mutiges Engagement ist gefragt.“
Genug zu tun hat er weiterhin, er ist engagiert wie eh und je, und still ist er ohnehin nie. Der gebürtige Bornheimer ist sich in all den vielen Jahren treu geblieben. Und das heißt: nicht bequem sein, nicht pflegeleicht, zuweilen eckt er an. Er pflegt die klare Kante, man weiß, woran man ist bei ihm. So der so. Manchmal kann der Mann auch ganz schön anstrengend sein. Aber er ist und bleibt: ein Kümmerer. Und seit mehr als 50 Jahren lebt er mit und im Fußball (Logo: Verein Frankfurter Sportpresse).
Schon als Schüler schrieb er für die FR. Bald war er Redakteur, er schrieb über Fußball (und Tischtennis), über die Eintracht, die Bundesliga, über Europa- und Weltmeisterschaften, die Nationalelf sowieso, die Oberliga Hessen, über Gott und die Welt, von 1971 bis 2000. Fundiert ohnehin, denn der Südfrankreich-Liebhaber, längst in Rosbach heimisch geworden, war und ist allemal bestens informiert.
2001 wechselte der Bergfex zum DFB, er wurde Mediendirektor im Stadtwald. Es war, als werfe man einen Fisch ins Wasser. Das war sein Ding: organisieren, delegieren, in vorderster Front stehen, moderieren, Krisen managen, Lösungen finden, schaffen, machen, tun. Er war ein Möglich-Macher und nie aus der Fassung zu bringen, wenn er bei den DFB-Pressekonferenzen oben auf dem Podium saß. Deshalb hatte -ger-, so sein FR-Kürzel, den nett gemeinten Spitznamen „Buddha“ weg, manchmal nannten ihn die Kollegen auch gerne „Daily Stenger“ oder „Daily Harry“.
Der Abschied vom DFB 2012 war kein schöner, und Stenger hatte daran zu knabbern. Aber bald ist er wieder eingetaucht in die Arbeit, hat sich als Freelancer die WM in Brasilien gegönnt, war als Experte viel gefragt. Und dieses Mal wird er seinen Ehrentag, anders als zum 70., als Corona selbst einen Harald Stenger ausbremsen konnte, auch standesgemäß begehen. Wie es aus bestens informierten Kreisen heißt, hat der Jubilar die Festhalle in Frankfurt gemietet, so viele Gratulanten sollen sich angesagt haben.
Eine längere Fassung von Thomas Kilchensteins Gratulation an Harald Stenger finden Sie hier auf der Website des Vereins Frankfurter Sportpresse.