Regelschulung beim HFV

Jetzt kommt es im Fußball auf Sekunden an

15.09.2026

Es gab einige Änderungen. Spieler, Schiedsrichter und Medienschaffende müssen sich deshalb umstellen. Die Regelschulung des Hamburger Fußball-Verbandes für den Verein Hamburger Sportjournalisten lieferte dazu spannende Erkenntnisse.

 

Zehn, acht und fünf – das sind die Zahlen, die für die Fußball-Schiedsrichter seit diesem Sommer eine wichtige Rolle spielen. Genauer gesagt geht es um jeweils genau diese Anzahl von Sekunden. Was es damit konkret auf sich hat, erläuterten jetzt Frank Behrmann und Adrian Höhns bei der Fußballregel-Schulung des Hamburger Fußball-Verbands für die Mitglieder des Vereins Hamburger Sportjournalisten in den Räumlichkeiten des HFV im Stadtteil Jenfeld.

Nach maximal zehn Sekunden muss ein Spieler bei einer Auswechselung das Spielfeld verlassen haben, sonst muss der Neue mindestens eine Minute und auf jeden Fall bis zur nächsten Unterbrechung warten, ehe er rein darf. Acht Sekunden haben Torhüter Zeit, um einen unter Kontrolle gebrachten Ball wieder ins Spiel zu bringen. Und innerhalb von fünf Sekunden müssen Einwürfe und Abstöße ausgeführt werden, sonst bekommt die gegnerische Mannschaft den Einwurf beziehungsweise einen Eckstoß zugesprochen.

Doch wie haben sich diese neuen Regeln, um die bisherigen Spielverzögerungen zu reduzieren, nicht nur im Profibereich sondern auch im Amateurfußball etabliert? „Insgesamt gut“ lautet das Zwischenfazit von Frank Behrmann, Vorsitzender des Verbands-Schiedsrichter*innenausschusses. Am häufigsten passiere es noch, dass das Einwurfrecht wechselt. Aber dass ein Team durch eine zu späte Ausführung eines Abstoßes einen Eckball für den Gegner riskiert, seit kaum zu beobachten. „Noch interessanter finde ich, dass es kaum noch Behandlungen auf dem Spielfeld gibt.“ Dies hat jetzt zur Folge, dass der Spieler nicht nur das Spielfeld verlassen muss, sondern auf jeden Fall eine Minute warten muss, ehe er ins Geschehen zurückkehren darf (Foto: VHS).

Adrian Höhns berichtete, dass die Spiele durch die Umsetzung der neuen Regeln auch für die Schiedsrichter intensiver geworden seien. „Früher hatten wir auch mental quasi eine kurze Pause, wenn es Abstoß für ein Team gab, und konnten die Aufmerksamkeit danach wieder hochfahren. Jetzt müssen wir zählen und einen Countdown anzeigen“, berichtet der als aktiver Schiedsrichter und im HFV in den Bereichen Spielbetrieb, Schiedsrichterwesen und Verbandsgericht tätige Adrian Höhns. Beide haben festgestellt, dass sich dank der neuen Maßnahmen die Netto-Spielzeit erhöht hat, was eines der Ziele war. Frank Behrmann betont, dass der HFV bei der Umsetzung empfohlen habe, nicht zu übertreiben: „Wenn ein Spieler, der ausgewechselt werden soll, zur Seitenlinie läuft und nicht langsam geht, ist es okay, auch wenn es elf Sekunden waren, die er gebraucht hat.“

Kein großes Nachwuchsproblem: Rund 3000 Schiedsrichter sind derzeit im HFV tätig, etwa 800 kommen jedes Jahr neu hinzu

Er selbst hat den Regionalliga-Teams Eintracht Norderstedt und HSV II sowie einige höherklassig spielende Jugendmannschaften die neuen Regeln per Schulung nähergebracht. Zudem könne jeder Hamburger Verein eine entsprechende Schulung auf Anfrage erhalten. Rund 3000 Schiedsrichter sind derzeit im HFV tätig, etwa 800 kommen jedes Jahr neu hinzu. Ein großes Nachwuchsproblem gibt es mithin nicht, auch wenn einige Unparteiische nach relativ kurzer Zeit wieder aufhören. Bewährt hat sich in diesem Zusammenhang das Patenschaftsprogramm. Dabei bekommen jeweils 30 Nachwuchs-Schiedsrichter bei ihren ersten Spielen einen erfahrenen Kollegen an die Seite gestellt.

Am Ende berichteten Frank Behrmann und Adrian Höhns von ihrer aktuellen Initiative. Hamburgs Schiedsrichter möchten erreichen, dass ihre Aufwandsentschädigungen für geleitete Spiele in drei Schritten um 30 bis 50 Prozent erhöht werden. „Wir liegen in Hamburg an vorletzter Stelle in Deutschland. Das möchten wir ändern“, sagte Frank Behrmann. Für ein Spiel in der höchsten Hamburger Spielklasse, der Gamesright Oberliga, erhält der Schiedsrichter aktuell gerade einmal 47 Euro. Zudem werden die Fahrtkosten erstattet. Des Geldes wegen, das ist spätestes jetzt klar, wird niemand Schiedsrichter im Amateurfußball.

Carsten Harms